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Samstag, den 19. Juni 2010 um 17:30 Uhr

1600 Jugendliche bei der Wallfahrt von Maria-Ward-Schulen

München. Immer wieder schwirren Gruppen junger Mädchen und auch ein paar Jungs mit roten Kappen in Münchens Innenstadt herum. Insgesamt sind 1600 Jugendliche und ihre Begleitpersonen aus Deutschland und Österreich nach München gekommen. Sie suchen im Rahmen einer Wallfahrt der Maria-Ward-Schulen zunächst verschiedene „Stationen“ auf: Orte, an denen sich ab 1627 die Gründerin des Ordens Congregatio Jesu sowie vieler nach ihr benannter Schulen selbst aufgehalten hat. Auf der Rasenfläche des heutigen Marienhofs stand zum Beispiel das Paradeiserhaus. Hier errichtete Maria Ward mit ihren Gefährtinnen Münchens erste Mädchenschule.

 

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Stationen gibt es auch am Isartor oder vor der Engl-Apotheke in der Theatinerstraße. Hier hatten pflanzenkundige Gefährtinnen Maria Wards den Impuls zur „Englischen Apotheke“ gegeben. Gruppen mit roten Kappen arbeiten sich außerdem durch den Innenhof der Residenz, entlang der Kreuzkapelle der Michaelskirche, durch die Neuhauserstraße bis hin zum Jakobsplatz. Hier hatte Maria Ward einen wenig angenehmen Aufenthalt: Im Angerkloster war sie 1631 als Gefangene der Inquisition wegen „Ketzerei“ eingesperrt, wurde schwer krank und wäre fast gestorben.

 

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Szenenwechsel: Am frühen Nachmittag versammeln sich alle Gruppen zum Maria-Ward-Festival vor der Michaelskirche in der Fußgängerzone. Dort wartet ein Bühnenprogramm auf sie, das Talente aus 12 Maria-Ward-Schulen gestaltet habe: Tänze, ein Theaterstück, viel Musik - mal mit Anklängen an die Renaissance, mal an Michael Jackson, mal an Afrika. Schülerinnen der Schmidt-Schule in Jerusalem, die gerade zu Gast in Deutschland sind, bringen ein Stück Orient nach München.

Der allmählich stärker werdende Regen tut der guten Stimmung erst einmal keinen Abbruch. Am Abend aber, beim Abschlussgottesdienst vor Schloss Nymphenburg mit Erzbischof Reinhard Marx, schüttet es ohne Unterlass. Dabei hätte vor dieser malerischen Kulisse alles so schön sein können. Zum Glück sind der Altar und die Bühne des Orchesters überdacht.

Im Orchesterzelt sitzen Maria-Ward-Schüler aus Regensburg, die mit ihrem Musiklehrer Thomas Humbs seine Mary-Ward-Messe zur Uraufführung bringen. Für Musiker und Instrumente ist das Wetter eine echte Härteprobe. Man würde die Stücke gerne ohne die lauten Regengeräusche hören. Herzog Franz von Bayern, der vor Ort wohnt, gesellt sich zu den Schülern, ihren Lehrern und den Ordensfrauen. Wie die meisten anderen hat er seinen Schirm aufgespannt, aber der hilft nicht viel, denn die Nässe kommt von allen Seiten. Wer den Gottesdienst noch mitfeiert, der hat den „wetterfesten Glauben“, den Münchens Erzbischof bei Maria Ward erkennt.

 

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„Sie hat ihren Glauben in einer Zeit gelebt, als es nicht nur uncool war, katholisch zu sein, sondern sogar gefährlich“, betont Marx im Hinblick auf die Katholikenverfolgung im England des frühen 17. Jahrhunderts. „Maria Ward hat uns heute viel zu sagen im Sinne eines guten, profilierten katholischen Feminismus“, so Marx in seiner Predigt. Sie habe sich auch nicht von innerkirchlichen Widerständen beirren lassen, sondern den langen Atem bewiesen, den ein spiritueller Weg erfordere.
Nach einem langen und abwechslungsreichen Tag fahren die Schüler in ihren Bussen wieder heim nach St. Pölten und Bingen, Lindau und Mainz, Eichstätt und Altötting, oder auch nur mit der Trambahn zurück zu den Eltern.
(rif)

 
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