Mary Ward, die Gründerin der Congregatio Jesu

Der Name der Gemeinschaft veränderte sich in den vierhundert Jahren ihrer Geschichte – Matres der Societas Jesu, Englische Fräulein, Institut Mariä, Institutum Beatae Mariae Virginis, Maria-Ward-Schwestern, Congregatio Jesu – der Bezug zur Gründerin blieb.
Ihre spannende Lebensgeschichte von 1585 – 1645 finden Sie auf sieben Seiten skizziert, ergänzt durch einige Bücherhinweise.
Dazu kommen Ausschnitte aus einer Lebensgeschichte besonderer Art, aus dem „Gemalten Leben“, einer Reihe von 50 Ölgemälden im Institut der Congregatio Jesu in Augsburg (Fotos: Studio Tanner, Nesselwang; Bildrechte: Zentrum Maria Ward, Augsburg)

Mary Ward hat keine langen Abhandlungen verfasst, aber in ihren Aufzeichnungen und Briefen prägnante Formulierungen für ihr Lebenswissen gefunden.
Hier finden Sie jede Woche neu einen Satz von Mary Ward, ergänzt durch einen Impuls zum Weiterdenken.

 

Impuls der Woche

Mary Wards Ansprachen 1617

Stichwort VERÄNDERUNG

„Es wird gesagt, dass Unsere Liebe Frau obwohl vom Augenblick ihrer Empfängnis in allen Tugenden vollkommen, diese dennoch täglich so entwickelte und vermehrte, dass sie, obwohl in allem überaus vollkommen, noch vollkommener geworden wäre, wenn sie länger gelebt hätte.“

Das Zueinander von Gnade und eigenem Bemühen war ein großes Thema im 16. und 17. Jahrhundert. Ignatius weist im Exerzitienbuch an, man solle; ähnlich wie in Bezug auf Vorherbestimmung und Glaube; „nicht so ausführlich reden und so sehr auf der Gnade bestehen, dass daraus Gift erzeugt wird, um die Freiheit zu nehmen. Man kann also vom Glauben und der Gnade so viel wie möglich mittels der göttlichen Hilfe zu größerem Lobpreis seiner göttlichen Majestät sprechen; aber nicht derart und auf solche Weisen, zumal in unseren so gefährlichen Zeiten, dass die Werke und der freie Wille irgendeine Einbuße erfahren oder für nichts gehalten werden.“ (EB 369)

Die damals so gefährlichen Differenzen zwischen katholischer Kirche und dem Protestantismus sind inzwischen auf theologischer Ebene behoben. Nicht die Freiheit zur Veränderung steht heute in Frage, wohl eher die Notwendigkeit sich zu verändern, wenn Gott nicht mehr als der bedrohliche Richter, sondern als der Gott gesehen wird, der jede Person bedingungslos annimmt und bereit ist, alle Schuld zu verzeihen.

Demgegenüber hält Mary Ward im Plan „Ratio instituti“ fest: „Deshalb ist dies unser Ziel, uns unter dem Banner des Kreuzes beständig für die Vervollkommnung unserer Seelen anzustrengen, indem wir so alle Tugenden erwerben, wie wir allen Eigenwillen verleugnen und allen Egoismus sehr sorgfältig ausrotten. […] Zweitens ist es unser Verlangen, dass wir nach dem Streben nach eigener Vervollkommnung uns mit aller Sorgfalt und klugem Eifer am meisten darauf verlegen, das Heil der Nächsten zu fördern oder uns darum zu sorgen […]“

Allerdings ist die Freiheit zur Veränderung auch heute nicht unhinterfragt, weniger von den Glaubenden und Theologen, sondern von der Psychologie und der menschlichen Erfahrung, wie schwer es ist, sich zu verändern und Verhaltensweisen, die man für sich als unpassend erkannt hat, abzulegen. Mary Ward zweifelt in der Hinführung zu dem oben zitierten Absatz nicht daran, „dass einige von euch sehr danach dürsten, seinen Willen zu erfüllen, und kaum Geduld haben, sich selber nicht weiter fortgeschritten zu finden. Ihr seht auch, wie es zugeht, dass ihr euch viele Jahre um etwas müht, das man in einem Tag erreichen könnte. Und wirklich, wenn wir durchgängig jeden Tag nur eine Unvollkommenheit überwinden könnten, welch unendlichen Gewinn würden wir bald haben.

Ja, wenn wir könnten … Aber das Vorbild Marias möchte uns immerhin provozieren, in unserem Bemühen nicht nachzulassen, da es doch, wie wir bei Maria sehen, von Gott eingeplant ist.