Impulse

Juni

Mary Wards Ansprachen 1617

 

Stichwort WAHRHEIT

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit,
wird er euch in der Wahrheit den Weg leiten.
Joh 16, 13

Was die drei Ansprachen Mary Wards zusammenhält wie eine Klammer ist das Stichwort Wahrheit. Ihr Anliegen ist es, die Wahrheit zu suchen, zu lieben und zu bewirken.

So beginnt Mary Ward ihre erste Rede mit der Angabe des Themas: Ich habe mit keiner von euch im Einzelnen gesprochen, aber das, was ich allgemein sagen werde, kann jeder Einzelnen dienen, nämlich dass ihr die Wahrheit (veritie) liebt.“

Wenn Frauen ihr Ziel verfehlen, liegt die Ursache nicht darin, dass wir Frauen sind, sondern, wie ich vorhin sagte, dass wir unvollkommene Frauen sind und nicht die Wahrheit lieben, sondern auf Lügen aus sind. Veritas Domini manet in aeternum; die Wahrheit unseres Herrn währt immerdar. Es ist nicht die veritas hominum, die Wahrheit der Männer oder die Wahrheit der Frauen, sondern veritas Domini. Diese Wahrheit können Frauen ebenso haben wie Männer. Wenn wir versagen, kommt das von einem Mangel an Wahrheit und nicht davon, dass wir Frauen sind.“

„Ich wollte bei Gott, dass alle Männer diese Wahrheit verständen, dass Frauen, wenn sie wollen, vollkommen sein können. Und wenn man uns nicht glauben machte, dass wir nichts tun können und dass wir nur Frauen sind, könnten wir Großes vollbringen. Ich hoffe, ihr werdet erkennen, dass das, was ich sage, Wahrheit ist“.

Mary Ward beendet die erste Rede mit der Aussage: „Das ist alles, was ich dieses Mal zu sagen habe, dass ihr Wahrheit und Wahrhaftigkeit (veritie and truth) liebt.“

In der zweiten Ansprache knüpft sie nach einem längeren Diskurs daran an: Was soll ich sagen: Ihr alle erinnert euch an meine letzte Ansprache, und in der Tat weiß ich nicht, was ich darüber hinaus sagen soll, als euch Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu empfehlen.“

In der dritten Ansprache wird das fortgeführt. „Da ich euch oft die Wahrheit empfohlen habe, will ich euch wissen lassen, wie und aus welchem Grund sie gesucht und geliebt werden muss.“

Der Grund, die Wahrheit zu suchen, besteht darin, dass sie zur Vervollkommnung hilft. Das Ziel der Wahrheitssuche ist Gott, denn Gott ist die Wahrheit: „Um aber Vollkommenheit zu erlangen, ist die Erkenntnis der Wahrheit notwendig“; „zuerst bitte ich euch, dessen eingedenk zu sein, dass ihr die Wahrheit und die Erkenntnis, zu der sie euch bringt, um des Zieles willen liebt und sucht, zu dem sie euch bringt, das ist Gott“.

„Gebt vor allem von Anfang an die Welt für Gott allein auf, der die Wahrheit ist.“

Fehl gingen Frauen, die sich von Menschen abhängig machten statt von Gott, die ihr Herz mehr an das Ansehen bei denen gehängt haben, die sie gerade leiteten, als an diese Wahrheit, die allein Gott ist. […] die Ursache lag darin, dass sie nicht die Wahrheit gesucht haben.“

„Ich beschwöre euch alle um der Liebe Gottes willen, die Wahrheit zu lieben und wahre Abhängigkeit“.

Fehl gehen Frauen, wenn sie sich vor dem Falschen fürchten und aus einer anderen Kraft als der Kraft Gottes zu leben suchen:

„Es ist Wahrheit zu wissen, dass nur das zu fürchten ist, was Gott missfällt, nämlich die Sünde. Wenn wir davon frei sind, was müssen wir fürchten? Es ist Wahrheit zu wissen, dass Gott alles bewirken kann und wird und dass in ihm alles leicht ist.“

Erfahrungen auswerten und sich in ihnen nach der Wahrheit Gottes ausrichten, führt zu Erkenntnis und rechtem Verstehen, mehr als alle Anhäufung von Wissen und Gelerntem.

„Diese Erkenntnis und rechtes Verstehen bei allen Gelegenheiten empfehle ich euch, und das könnt ihr ohne Lernen besitzen, wenn ihr es sucht, indem ihr die Wahrheit liebt.“

Die Wahrheit nicht nur suchen und lieben, sondern auch bewirken bedeutet, mitzuwirken mit dem, was Gott wirkt und bewirkt, uns selbst und den anderen zum Nutzen:

„Darin besteht die Wahrheit, dass wir das, was wir zu tun haben, gut tun.“

„Liebt die Wahrheit, sucht Erkenntnis nicht um der Erkenntnis willen, sondern wegen des Zieles, zu dem sie euch führt; dann werdet ihr glücklich sein und fähig, euch und anderen zu nützen. Ansonsten werdet ihr niemals zu etwas taugen.“

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