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Jesuitinnen

von M. Cosima Kiesner CJ



Die ersten "Jesuitinnen" - damals und heute


Maria Ward erlebte Ende des 16. Jahrhunderts im England der Katholikenverfolgung, wie segensreich und unter welchen Gefahren Jesuiten bemüht waren, die treu zur katholischen Kirche stehenden Familien zu stärken und ihnen die Feier der Sakramente zu ermöglichen. Maria Wards Glaube war geprägt von jesuitischer Theologie, von der klaren Entscheidung, Gott durch das eigene Leben zu dienen und von der mutigen Bereitschaft zum Martyrium. Sie sah, wie die Frauen aus dem englischen Adel eifrig und überzeugt ihre Familien und ihr Gesinde zu Gebet anleiteten und in allen Schwierigkeiten das Vertrauen auf den einen, wahren Gott nicht verloren. Diese beiden Komponenten ihres jungen Lebens das Glaubensengagement der Jesuiten und der Frauen bereiteten die Entstehung eines jesuitischen Frauenordens vor.

Die Rolle der Frau in der Kirche


Auf dem Festland war die Position der Kirche wie auch die Rolle der Frau eine ganz andere, als Maria Ward es kennen gelernt hatte. Ihre Bitten um Bestätigung einer Frauengemeinschaft, die missionarisch tätig sein wollte, die direkt dem Papst unterstellt und durch eine Generaloberin geleitet sein sollte, stieß auf Unverständnis, Kritik und Ablehnung bis hin zum Verbot. Frauen waren doch zu schwach für die Übernahme einer solchen Verantwortung. Gerade Papst Urban VIII. wollte Frauen hinter Klostermauern versteckt sehen, wie sich auch aus der Aufhebungsbulle herauslesen lässt: "Ohne Rücksicht auf die Klausurvorschriften laufen sie nach Belieben herum, und unter dem Schein, das Heil der Seelen zu fördern, haben sie den Versuch unternommen, sich in vielen anderen Werken zu betätigen, die höchst ungeziemend sind für die Schwäche ihres Geschlechts und ihres Charakters." Es schien unmöglich, die begonnene Missionsarbeit weiterzuführen.

Die Gunst von Fürsten und Bischöfen


Die Gemeinschaft aber suchte nun andere Möglichkeiten, für das Reich Gottes wirken zu können. Einzele Fürsten und Bischöfe hatten erkannt, dass das Unterrichten von Mädchen ein wichti ges Arbeitsfeld ist, denn die zukünftigen Mütter würden entscheidenden Einfluss auf die religiöse Erziehung ihrer Töchter nehmen. Sie übertrugen diese Aufgabe den Gefährtinnen Maria Wards, die auf diese Weise ihr Wirken aufrecht erhalten konnten, unter veränderten Bedingungen zwar, jedoch nicht unter Aufgabe der jesuitischen Spiritualität.

Äußere und innere Prägung


Schaut man auf die Schwierigkeiten des Anfangs, kann man sich nur wundern, dass die Schwestern einen so langen Atem hatten und trotz der Widrigkeiten nicht aufgaben. Sie arrangierten sich mit den geschichtlich bedingten Begrenzungen und akzeptierten im Gehorsam die Vorgaben der Kirche. Diese äußeren Bedingungen prägen bis heute unser Aufgabenfeld: die Schule ist ein wichtiges Arbeitsgebiet. Andererseits eroberte sich das Institut Mariae Beatae Virginis inzwischen weitere Tätigkeitsfelder hinzu: Pfarrei, Krankenpflege, Exerzitienbegleitung, Berufungspastoral, Frauenarbeit, Theologie, religiöses Schrifttum... Vieles ist möglich geworden. Die Spiritualität aber hat sich nicht geändert: die Eigenverantwortung jedes Mitglieds der Gemeinschaft ist sehr hoch. Geht es doch um den je besseren Dienst für Gott. Nicht das gemeinsame Gebet, nicht die Einhaltung irgendwelcher Einzelregeln, sondern das persönliche Gespräch mit Gott, der unterscheidende Gehorsam, die Bereitschaft zur Sendung, die Befähigung zur je größeren Hingabe treiben uns dazu an, nicht beim Erreichten stehen zu bleiben.

Unterwegs


Wir sind unterwegs als Gemeinschaft, als Einzelne. Wir bleiben auch einmal stehen, um Luft zu schöpfen und auszurasten, wir fühlen uns auch einmal müde und wollen nicht weiter. Wir verrennen uns in unsere eigenen Lieblingsideen. Wir sind nicht perfekt. Aber unser Ideal treibt uns an, Gottes Geist lässt uns nicht in Ruhe, und wir versuchen wieder einen Schritt weiter zu gehen, immer wieder neu auf Gottes Willen aufmerksam zu sein. Ich kenne nichts Faszinierenderes und Verantwortlicheres als diese Spiritualität, die durch die jährlichen Exerzitien vertieft und gefördert wird und uns bis an die je eigenen Grenzen führt.

Ein weltweites Institut


Die ignatianische Frauengemeinschaft Maria Wards breitet sich aus. Was in Mitteleuropa begann und zunächst klein gehalten wurde, hat nun die verschiedenen Erdteile erobert. Die Aufgaben gehen uns nicht aus. Andere ignatianische Frauenordenhaben sich gebildet. Maria Wards Vision hat sich durchgesetzt.

Sr. Cosima Kiesner
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