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Maria Ward kam aus der Zeit der englischen Katholikenverfolgung. In ihr wuchs von den frühen Jahren an die Liebe zum katholischen Glauben. Für ihn wollte das Mädchen sein Leben hingeben wie die Märtyrer in ihrer Nähe. Die junge Frau wurde Klarissin; es war ihr Angebot an Gott für den Glauben. Sie verließ dann das von ihre gegründete Klarissenkloster, als sie sich berufen fühlte, "etwas anderes" zu tun. Zwei Jahre später verstand sie, sie solle ein Fraueninstitut nach dem Vorbild der Gesellschaft Jesu aufbauen. Zunächst schien ihr das zu gelingen. Aber damals traute man den Frauen nicht zu, ohne Klausur ein echtes Ordensleben zu führen, dabei Mädchen zu unterrichten und gar in der Seelsorge zu helfen. Das waren aber die Anliegen Maria Wards. Ihr Institut wurde aufgehoben. Maria Ward stürzte deswegen nicht ins Unglück; sie blieb eine liebenswürdige Frau der Hoffnung. Sie hat gerade unserer Zeit etwas zu sagen.
Liebe Brüder, liebe Schwestern!
Schon bin ich mehr als ein Drittel des vergangenen Jahrtausends in der Ewigkeit. In meiner Epoche vollzog sich der Übergang zur Neuzeit, die bei euch nun untergeht. Ihr steht heute in einem ganz anderen Umbruch, als meine Zeit ihn erfahren hat. Ihr kennt manche Ereignisse meines Lebens, habt die Wege studiert, die ich durch Europa ging von York bis Rom und Neapel, von München bis Wien und Preßburg. Die Kreuzform der Wege mag an das Kreuz erinnern, das über meinem Leben stand, das Kreuz Jesu. Mehr als 30 Jahre lebte ich als Emigrantin in Europa. Ich war Engländerin mit der ganzen Stärke und Durchhaltekraft meiner Nation. Ich hatte viele Schwierigkeiten, gab erst auf, als die Kirche meine Unterwerfung forderte; da aber unterwarf ich mich in vollem Gehorsam. Mein Grundanliegen galt dem Glauben. Schon in England hatte ich erfahren, dass die Menschen Hilfe brauchen, um dem Glauben treu zu bleiben oder zu ihm zurückzukehren; ich sah, dass dazu Frauen sehr nötig waren. Ihr habt heute auch Sorge um den Glauben. Für die meisten meiner Landsleute war der Glaube an Gott selbstverständliches Fundament des Lebens, wenn sich auch viele von Glaubens-wahrheiten lossagten. Bei euch, so scheint mir, gerät gegenwärtig dieser geistliche Grund in Gefahr. Schwindet der Glaube nicht aus dem Blickfeld von Geist und Herz durch den Stress in eurem Leben, durch das Viele, das in euch einströmt? Doch gibt es auch hoffnungsvolle Anzeichen, dass nach Gott gefragt und er auch gefunden wird. Ich muss euch einiges von meinem Leben in Erinnerung bringen, damit ihr seht, dass ein Leben aus dem Glauben gelingt. Es kam viel Schweres über mich, nachdem ich mutig die neue Ordensform nach dem Vorbild der Jesuiten gewagt hatte. Ein solch riskantes Unternehmen traute man uns Frauen nicht zu. Selbst ein Jesuit sagte, als man unseren Eifer lobte: "Der Eifer vergeht, sind sie doch nur Frauen." Ich wehrte mich und suchte, Niedergeschlagenheit und Pessimismus von meinen Gefährtinnen fernzuhalten, eröffneten wir doch damals Schule um Schule, in Saint-Omer, Lüttich, Köln und Trier. Es traf uns hart, dass die Gesellschaft Jesu uns nicht willkommen hieß. Patres beschwerten sich über unsere Jesuitennachahmung; Pater General mahnte zur Zurückhaltung; half dies nicht, kam die Versetzung der Patres, die das Institut zu intensiv unterstützten. Da der Name "Gesellschaft Jesu", den ich erbat, nicht gewährt wurde, blieben wir die Virgines Anglicanae, die Englischen Jungfrauen, schließlich die Englischen Fräulein. Vielleicht war ich auch allzu bedacht, Lebens- und Schulordnung der Jesuiten genau zu übernehmen, was sehr aufgefallen sein muss. Dazu waren wir Ausländerinnen. Mehr und mehr erfuhr ich auch, dass in Rom für eine Anerkennung als Orden die Klausur verlangt wurde. wegen unserer Missionspläne erschien uns die Klausur als Hindernis für unser ganzes Vorhaben. Unsicherheiten meldeten sich von vielen Seiten. Vielleicht fragt ihr mich, wie ich durchhalten konnte. Die ganze Mühe war für mich Wille Gottes. Darum konnte ich den Weg weitergehen. Ich sah immer deutlicher, dass allein der Papst mit einer Approbation uns helfen könne. Unsere guten Bischöfe im Norden konnten uns ja keine Anerkennung geben, die über die Grenzen ihrer Diözesen hinausgingen. Die zwei Monate dauernde Wanderung zu Fuß von Lüttich bis Rom, wie alle anderen Reisen, gehörten zu meinem Dienst. Sie waren keine Störfaktoren, eher geistige und geistliche Ruhepausen. In der Ewigen Stadt wurden wir so gut aufgenommen, wie es zu Rom gehört. Ich hoffte damals, in wenigen Wochen mit der Approbation die Rückreise anzutreten. Ihr seht, wie ich mich verrechnet habe. Sehr bald schon begannen die Verhandlungen über unsere Angelegenheit an der Kongregation der Bischöfe und Regularen. Ich hatte gute Gespräche mit Papst Gregor XV. Es gab auch Erfolge. Ich konnte drei Niederlassungen gründen, in Rom, Neapel und Perugia. Da starb auch schon der Ludovisi-Papst und Urban VIII. folgte. Unsere Lage wurde härter. Der neue Papst hob die drei italienischen Häuser auf. Die Klausur war die unübersteigbare Mauer. Ich stand in dem heiligen Rom allein, ohne Schutz einer kirchlichen Instanz, die unsere Bitte hätte wirksam unterstützen können. In römischen Kirchen vor dem Allerheiligsten fand ich Trost; ich sah, dass wir auf irdische Beziehungen keine Hoffnung setzen dürfen, sondern sorgen sollen, bei uns "den freien Zugang" zu Gott offen zu halten. Auch dies, dass ich Feinden verzeihen konnte, war eine Gnade des schweren Jahres 1625. Von all dem erzählen euch in Augsburg die Bilder des Gemalten Lebens. In Rom konnte ich nichts mehr ausrichten und wollte die Gefährtinnen im Norden besuchen. Auf dem Weg ging ich in München zum Kurfürsten Maximilian I., dem Helfer der englischen Jesuitenmissionare; ihm waren wir schon empfohlen worden. Der bayerische Fürst bot mir ein Haus für eine Schule in München an; auch beim Kaiser ging uns eine Empfehlung voraus; ich erhielt in Wien ebenfalls eine Schule. Schließlich half der Primas von Ungarn zu einer Gründung in Preßburg. In 15 Monaten drei Gründungen ohne Geldsorgen! Ich meinte, Gottes Stunde sei im Kommen für unser Institut. Die beiden katholischen Fürsten waren zudem wichtig für das römische Anliegen, da der Papst im Dreißigjährigen Krieg auf deren Hilfe angewiesen war. Der Erfolg währte nur eine Schnaufpause lang. Urban VIII. hob im Juli 1528 unser Institut auf. Die neuen Gründungen in den wichtigen Städten hatten seine Sorge bestärkt, dass hier Gefahr für die Kirche bestehe, die später nicht mehr zu bremsen sei. Ich erhielt keine Mitteilung, hörte aber in München und Wien genug Gerüchte. Um unsere Sache zu verteidigen, ging ich zum zweiten Mal nach Rom. Bei der Audienz in Castelgandolfo sprach der Papst nichts von einer Aufhebung, machte mir auch keine Hoffnungen. Ich glaubte, noch sei seine definitive Entscheidung nicht gefallen. Hätte er mir gesagt, dass es mit unserem Institut zu Ende sei, ich hätte geweint, mich aber sofort unterworfen. In Rom erhielt ich Nachrichten von Aufhebungen im Norden. Die geglückten Gründungen, das erfahrene Wohlwollen hatten meine Hoffnungen bestärkt, wenn auch die Nachrichten von mehreren Seiten sie dämpften. Es fehlte mir die nötige Klarheit, als ich den unglücklichen Brief vom 6. April 1630 schrieb. Ich forderte darin meine Gefährtinnen zum Widerstand auf, falls Nuntien und Bischöfe unsere Häuser schließen wollten, selbst wenn sie die Exkommunikation verhängten. Dann kehrte ich nach München zurück und schickte Winefrid Wigmore mit gleichen Weisungen als Visitatorin in die nördlichen Häuser. Mein Brief gelangte an die Inquisition in Rom. Er besiegelte mein Schicksal für die letzten 15 Lebensjahre. Ich war nun für immer im Schatten der Inquisition, obwohl keine Verurteilung stattfand. Dunkle Wolken zogen sich über mir zusammen. Vom 7. Februar bis zum 14. April 1631 war ich im Angerkloster in München eingesperrt. Der Ehrverlust, die Hilflosigkeit, die Sorge um meine Gefährtinnen, mein leidender Zustand - ihr könnt euch denken, wie intensiv ich Gott um Hilfe anflehte. Mit kleinen Briefen, mit Zitronensaft auf die Einwickelpapiere der Speisen geschrieben, die mir meine Schwestern täglich vom Paradeiserhaus brachten, suchte ich die 33 Schwestern in München in der Zuversicht zu stärken. Ich wusste, dass ich viel verlangte. Der mir half, stand auch ihnen zur Seite. Dann brachte mich eine schwere Krankheit dem Tod nahe. Um die Erlaubnis für den Empfang der Sterbesakramente zu erhalten, erklärte ich feierlich in einem Schreiben, als gehorsame Tochter der Kirche nie etwas gegen Kirche und Papst gesagt oder getan zu haben. Daraufhin empfing ich die Sakramente und nahm Abschied von meine Gefährtinnen, die vor das Klostergitter gekommen waren; mich trug man hinter das Gitter. Die Inquisition befahl mir, nach Rom zu gehen; ich selbst wollte nach Rom, weil ich immer noch auf ein klärendes Gespräch mit Urban VIII. mein Hoffnung setzte. Für die Reise gab es Vorschriften: Ein Kommissar sollte Fluchtversuche verhüten; ein Bürge mit dem Einsatz einer hohen Geldsumme hatte für mein rechtzeitiges Eintreffen in Rom zu garantieren; der Termin für meine Ankunft wurde festgesetzt. Dank dem Dekan Dr. Golla in München, der die Befehle aus Rom empfing und durchzuführen hatte, brauchte ich dann keinen Kommissar. Zu allem kam auch noch die Veröffentlichung der päpstlichen Aufhebungsbulle, die unser Schicksal für immer zu besiegeln schien. Wo man uns kannte, wurde sie bekannt gemacht. Mein Name stand nicht im Text. Aber die Leute wussten alle, dass das Dokument uns galt. So weit war es mit uns gekommen. Die beiden Autoritäten, von denen der Bestand des Instituts abhing, konnten uns kein grünes Licht geben. Urban VIII. sah sich an die Klausurgesetze gebunden. Nach der Tradition des hl. Ignatius konnte die Leitung der Gesellschaft Jesu eine weibliche Ordensgemeinschaft jesuitischen Gepräges nicht unterstützen, wenn auch unsere Tätigkeit von den Patres positives Echo erhielt. Die Verurteilungen kamen nicht aus menschlichen Ablehnungen, sondern aus den Gesetzen, denen sich beide Autoritäten verpflichtet fühlten; sie kamen aber auch aus der mangelnden Einsicht in die Nöte der Zeit, aus dem Mangel an Mut, neue Wege einzuschlagen. So klar konnte ich die Zusammenhänge damals nicht sehen, als ich in so großer Not steckte. Aber meine Treue zur Kirche geriet nicht ins Wanken, auch nicht die Überzeugung von meiner Berufung. Im Vertrauen auf Gott hielt ich aus und ging meinen Weg weiter. Auf der nun dritten Romreise blieb ich zwei Monate in Bologna hängen. Ich musste auf einen Pass zur Weiterreise und auf die Verlängerung des Termins für mein Eintreffen in Rom warten, da der Kirchenstaat wegen der Pest gesperrt war. Anfang März 1632 war ich endlich in Rom und vor dem Papst. Von der Inquisition ging bald eine Erklärung an die Nuntien in Brüssel und Köln, dass uns keine Verfehlung gegen Glaube und Kirche belaste. Aber ich blieb im Schatten der Inquisition, wie es in solchen Fällen üblich war. Mir fehlte noch die Bewe-gungsfreiheit. Nach der Haft wollte ich von München nach Eger in Böhmen zu einer Wasserkur gehen, nun in Rom die gleiche Hilfe in Spa suchen und nach England reisen. Es gab keine Erlaubnis. Doch traf ich immer wieder gute Menschen, die zu helfen suchten. Der die Bürgschaft für mich übernommen hatte, mein römischer Arzt Alfonso Ferri, legte 1634 ein Gesundheitszeugnis für mich der Inquisition vor, so dass mir erlaubt wurde, in Umbrien einen italienischen Badeort aufzusuchen. Dort überwachten mich Inquisitoren; ich blieb ohne Furcht. Wieder in Rom, fragte ich Urban VIII., was ich noch tun solle, um meine Treue gegen Seine Heiligkeit und die Kirche zu beweisen, ob mein Leben, meine Ehre, meine Freiheit ungeschützt übelwollenden Menschen preisgegeben bleiben dürften. Der Papst suchte mich zu beruhigen. Wahrscheinlich merkte er, dass mein englischer Kopf die Methoden der Inquisition, damit auch sein Vorgehen, noch nicht verstanden hatte. Die letzten Jahre in Rom brachten mir mehr kranke als gesundheitlich erträgliche Tage. Ein Glück war es, dass ich ein Haus erwerben konnte, nahe der Basilica Santa Maria Maggiore. Dort durften wir nach mehrfachen Bittgesuchen gemeinsam wohnen. Im Jahr 1637 konnte ich mit dem Segen des Papstes wegen meiner Krankheit Rom verlassen und nach Spa gehen. Zwei Jahre später reiste ich nach London. Auf dem Kontinent war die Plage des Dreißigjährigen Krieges noch nicht zu Ende. In England kam es zum Bürgerkrieg. Zwar wichen wir aus, aber auch in Yorkshire holte der Krieg uns ein. Bald nach der Einnahme von York rief mich Gott in die Ewigkeit. Vielleicht fragt ihr, wie ich mit meiner Kirche zurechtkam. Sie ist ja bei euch zu einem beunruhigenden Thema geworden. Ich liebte meine Kirche, weil ich meinen Glauben lebte. Gebet und auch der Gehorsam halfen mir, in der Treue auszuhalten. Jedes Wort der Unterwerfung und der Treue zu Kirche und Papst in den Bittschriften an Urban VIII. ist Wort der Wahrheit. Ich scheute mich auch nicht, bei Audienzen und in den Briefen meine Not und meine Enttäuschungen zu äußern. Aber die Autorität der Kirche konnte ich nie antasten. War dies letzten Endes nicht doch ein Sieg für eine so arme Frau? Ich möchte den Sieg noch bekräftigen. Als ich dreißig Jahre alt war, erschien mir Gerechtigkeit als höchstes Ideal; ich verstand sie als ein totales Gott gehören, "to be wholly God's", wie ich oft sagte und schrieb. Ein Jahr vor dem letzten Abschied von Rom, als die Tiberwellen schon ruhig hinflossen, konnte ich schreiben: "Wie gut sind Deine Taten geordnet, mein Herr und Gott! Damals sagtest Du, die Gerechtigkeit sei die beste Verfassung - Nun zeigst Du, wie solche Gerechtigkeit erlangt wird..." Stand nicht ein großer Regenbogen über den schweren Jahren? Ich hatte mich der Vernichtung des Instituts unterworfen und allem, was sie mit sich brachte. Aber die Hoffnung auf Zukunft blieb in meinem Herzen. Und Gott gab Zukunft.
M. Immolata Wetter CJ
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