Das Verfahren: 1629–1631

Das Verfahren: 1629–1631  

Noch einmal legte Mary Ward vor vier Kardinälen all ihre Gründe dar, erklärte aber auch, sie sei bereit, ihr Werk aufzugeben, wenn der Papst das wünsche.

Schreiben des Kurfürsten Maximilian und des un­garischen Kardinals Pázmány zu ihrer Verteidigung blieben wirkungslos. In Neapel wurde die Schule geschlossen. Die Niederlassung in Saint-Omer wurde aufgehoben. Mary Ward ging davon aus, dass diese Aufhebung unrechtmäßig sei und schrieb daher an die Gefährtinnen in Lüttich, sie sollten sich ihr nicht unterwerfen.

Ende des Monats verließ sie Rom Richtung München. Dort fand sie die Berichte über die Aufhebung der Häuser in Lüttich und Köln vor. Sie entsandte eine Visitatorin dorthin, die das Geschehene rückgängig zu machen suchte.

Von den kirchlichen Behörden wurde indes die Einkerkerung vorbereitet. Am 7. Februar 1631 wurde Mary Ward verhaftet und im Angerkloster inhaftiert. Noch immer wartete sie auf den Entscheid des Papstes. Ihren Gefährtinnen schrieb sie heimlich Briefe, um sie zu ermutigen: „Es geschieht nur, was Gott will.“ Lebensgefährlich erkrankt, sollte sie, um die Sterbesakramente empfangen zu dürfen, eine Erklärung unterschreiben, die man als Schuldgeständnis hätte deuten können. Sie weigerte sich und bekräftigte in einem eigenen Brief, dass sie niemals etwas gegen den Papst oder die Autorität der Kirche getan habe.

Im Mai erschien die päpstliche Aufhebungsbulle. Mitte April durfte Mary das Angerkloster verlassen, unter der Auflage, sich in Rom vor der Inquisition für ihr Tun zu verantworten.

Unkraut oder ... ?

Den römischen Oberhirten ist die Sorge für den Weinberg des Herrn anvertraut, so heißt es im Aufhebungsschreiben. Sie seien dafür verantwortlich, dass niemand unerlaubt Saat ausstreut, Pflanzen ausreißt, Unkraut einpflanzt und Schädlingspflan­zen wuchern lässt: Trotz des Verbotes, neue Orden zu gründen, hätten gewisse Frauen unter dem Vorwand, ein Ordensleben zu führen, Kollegien und Noviziate gegründet, das Amt einer Generaloberin eingeführt und die Klausurvorschriften missachtet, um frei herumschweifen zu können, indem sie den Anschein erweckten, den Seelen zu helfen. Sie unternähmen viele Werke, die für die Schwäche des Geschlechts und Verstandes, für die weibliche Bescheidenheit und besonders die jungfräuliche Scham völlig unpassend sind ...

Dagegen nannte ein Jesuit, der ihre Tätigkeit in England aus erster Hand kannte, die Gemeinschaft eine „Blume von angenehmsten Duft, die der Heilige Geist in das Paradies seiner Kirche gepflanzt“ habe.