Ligretto, Monopoly & Co.

Ligretto, Monopoly & Co.

Oder aus dem Leben der Novizin im 2. Jahr

Wie das im Noviziat üblich ist, wechseln sich die Zeiten im Basislager Nürnberg mit den Einsätzen in der weiten Welt ab. Und so habe ich die ersten zwei Monate des neuen Jahres in unserer Kommunität in Langenberg verbracht. Im zweiten Noviziatsjahr liegt der Schwerpunkt verstärkt in der Ausrichtung nach außen, in der Erprobung verschiedener Praxisfelder. Von meinem Beruf bin ich Sozialpädagogin, daher lag es nahe, dass ich dieses berufsbezogenes Experiment im Haus Maria Frieden gemacht habe.
Es ist eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die vorübergehend für kürzere oder längere Zeit nicht in ihren Familien bleiben können. Eingesetzt wurde ich im Haus C, d.h. direkt auf dem Gelände. In dieser Wohngruppe leben 10 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15 Jahren, 5 Mädchen und 5 Jungs, betreut werden sie von 5 Erziehern und 2 Freiwilligen. Meine Regelarbeitszeit war meistens vom Mittag bis Abend – wenn die Kinder von der Schule kommen bis zum Bettgehen. Die Tagesstruktur ähnelt dem Leben in einer Familie, ist sehr persönlich, wohlwollend und fürsorglich: gemeinsam essen, sich gegenseitig erzählen, wie der Tag so verlaufen ist, Unterstützung bei den Hausaufgaben, mit den Diensten (z.B. Tischdienst, eigene Zimmer aufräumen u.a.), gemeinsame Gestaltung der Freizeit – Sport, kreative Tätigkeiten, Spiele usw.

Für mich war die Arbeit in einem stationären Bereich und mit Kindern und Jugendlichen eine doppelte Herausforderung, denn in meiner bisherigen Berufstätigkeit arbeitete ich mit Erwachsenen – in Beratung und Begleitung von psychisch Kranken. Die Berührung mit der großen menschlichen Not, mit der Bedürftigkeit und Durst dieser Kinder nach Liebe, Nähe und Annerkennung, die getrennt von ihren Familien leben müssen, erfordert aber trotzdem in
ersten Linie ein volles Da-Sein und sich zur Verfügung stellen als Mensch; eine Haltung leben und zeigen: ich sehe dich, du bist mir wichtig und du bist in Ordnung. Um dieses zu vermitteln, gab es jeden Tag unzählige Gelegenheiten – achtsam zuhören, Zeit haben (was für eine „Praktikantin“ zum Glück ein Privileg ist), ermutigen, mitmachen, konsequent und klar sein – und das alles in dem Spannungsfeld zwischen kleinen alltäglichen Situationen bis zu dem obersten Auftrag sich für das Wohl jedes einzelnen Kindes und seine Weiterentwicklung und Erziehung mit ganzer Kraft und eigenem Beispiel ein zu setzten. Durch meine Kollegen im Team und vor allem durch meine Mitschwestern vor Ort konnte ich alle diese Erfahrungen gut besprechen und reflektieren und immer wieder auch neu ausprobieren. 

Als Novizin konnte ich für zwei Monate ins richtige Berufsleben reinschnuppern und dabei ausprobieren, wie die Gebetspraxis und Kommunitätsleben mit einer Vollzeit-Stelle zu vereinbaren sei; z.B. die Gebetszeiten an den Dienstplan anpassen oder einen gemeinsamen Termin für einen Austausch oder Wortgottesdienst finden. Und so blicke ich jetzt auf zwei Monate zurück, die reichlich gefüllt sind und für die ich voll dankbar bin – ich habe viele neue Menschen kennen gelernt, kleine und große Menschen; meine Mitschwestern haben mich offen und herzlich als ein Teil der Gemeinschaft aufgenommen und durch die ganze Zeit mit allen Höhen und Tiefen mit begleitet; ich konnte von innen die Arbeit in einer Wohngruppe sehen, mich einbringen und die Kinder ein Stück ihres Lebensweges begleiten.

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