Nachruf für Schwester Roswitha Bach CJ

Nachruf für Schwester Roswitha Bach CJ

Schwester Roswitha wurde am 26. November 1932 in Röttingen, Kreis Würzburg, als viertes und jüngstes Kind geboren und auf den Namen Luitgard Maria Philomena getauft. Ihre Eltern prägten mit ihrer tiefen Frömmigkeit die Familie. Die vier Kinder wuchsen behütet und geborgen auf. Zeit Ihres Lebens war der Kontakt zu Eltern, Geschwistern und ihren vier Nichten mit Familien wichtig für Sr. Roswitha.

Nach der Volksschule und einem Jahr in der Landwirtschaftlichen Berufsschule ging sie in die Mittelschule nach Wallerstein, wo sie mit den damaligen „Englischen Fräulein“  in Kontakt kam. Es schloss sich das Kindergärtnerinnen Seminar an und sie absolvierte per Fernkurs ein Englischstudium, das sie im Alter von 24 Jahren mit dem Cambridge Examen abschloss. Ein Jahr später trat sie in Augsburg in die Gemeinschaft ein. Ihr Onkel, Bruder in Münsterschwarzach, hatte ihr den Weg gewiesen. Dort, bei den Benediktinern, wurde ihr eine Erfahrung geschenkt, die sie ein Leben lang in Sehnsucht auf Gott hin unterwegs bleiben ließ. Zu den Benediktinern von Münsterschwarzach blieb der Kontakt bis zum Ausbruch ihrer Krankheit intensiv.

Als examinierte Lehrerin für Englisch und Deutsch kehrte sie nach dem Noviziat nach Wallerstein zurück, wo sie in der Realschule unterrichtete.

Das Zweite Vatikanische Konzil markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Kirche, der Gemeinschaft und im persönlichen Leben Sr. Roswithas. Als Folge des Konzils fand 1968 eine außerordentliche Generalkongregation statt - neue Leitlinien für die Orden „Zurück zu den Quellen“ sollten umgesetzt werden. Sr. Roswitha wurde zur Novizenmeisterin berufen und nach Augsburg versetzt. Da aber in diesen Jahren niemand mehr eintreten wollte, blieb sie weiterhin als sehr geschätzte Lehrerin an der Realschule tätig. Als 1977 die erste Fassung der Ignatianischen Konstitutionen verabschiedet wurde, bekam Sr. Roswitha den Auftrag, mit Hilfe eines Formationsprogramms diese wiederentdeckte Ignatianische Spiritualität bei den Schwestern zu vertiefen. Zur eigenen Vorbereitung absolvierte sie in Augsburg das erste Exerzitienseminar der GCL und blieb dieser geistlichen Gemeinschaft über Jahrzehnte hinweg tief verbunden. Danach schloss sich noch ein Jahr der ‚Ausbildung für Spirituelle Dienste‘ in  Toronto und Guelph, Kanada, an. Aus dieser Zeit rührte der enge und freundschaftliche Kontakt zu den Loret(t)osisters, dem IBVM.

Dass Sr. Roswitha nach der Zeit in Kanada nicht mehr in den Schuldienst zurückkehrte, wurde damals von vielen engagierten Lehrerinnen nicht verstanden. Sie aber setzte zügig ins Werk, wozu sie gerufen war und initiierte bereits 1982 ein erstes Schulungsprogramm, beginnend bei den Oberinnen, das damals Tertiat genannt wurde. Bis 1986 folgten vier weitere Durchgänge, bei denen sie sowohl mit verschiedenen Mitschwestern als auch mit Jesuiten zusammen arbeitete. Zur spirituellen Vertiefung für die ganze Gemeinschaft wurde 1988 das IBMV Team gegründet, in dem Sr. Roswitha zusammen mit Sr. Beate Neuberth CJ  (vormals Bamberger Provinz) und Sr. Igna Kaiser CJ (vormals Österreichische Provinz) bis 1993 zusammenarbeitete. In diesem Team wurde bereits der Blick auf die spätere Gesamtprovinz vorweggenommen. Auch Jesuiten wirkten bei verschiedenen Veranstaltungen mit.

In dieser Aufgabe hat sich Sr. Roswitha immer mehr zu einer geistlichen Begleiterin entwickelt, die mit ihrer Liebe zum Hl. Ignatius, zu Mary Ward und zu den Exerzitien ungezählte Schwestern der Congregatio Jesu und des IBMV geprägt hat, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Unvergessen sind die zahlreichen Führungen und Meditationen zum „Gemalten Leben“. Als bestellte Noviziatsleiterin hat sie nie ein Noviziat geführt, hat aber stattdessen der ganzen weltweiten Gemeinschaft den Weg zu einer tieferen Christusliebe aus dem Geist der Exerzitien heraus gewiesen. Und sie hat einigen Frauen den Weg zum Eintritt und einigen Schwestern den Weg zum Bleiben geebnet.

Der sogenannte „Zweite Stock“ in Augsburg war ein wichtiger Ort, wo sich Begegnung und Gespräch, Klärung und Heilung mit Hilfe ihrer Begleitung ereigneten. Er wurde zum Grundstein für das spätere Maria Ward Haus und das jetzige Zentrum Maria Ward.

1995 übernahm sie die Leitung der Exerzitienarbeit in Neuburg bis sie 1999 die letzte Provinzoberin der Schwäbischen Provinz wurde.

Schon gegen Ende ihrer Amtszeit zeigten sich erste Anzeichen ihrer Parkinson Erkrankung. Ab 2007 wurde sie auf der Krankenabteilung in Augsburg betreut und wechselte 2011, nachdem sie mehr Pflege brauchte, nach Neuburg.

Der letzte Satz ihres Vaters, den Sr. Roswitha oft zitiert hat, lautete: „Gott macht niemals einen Fehler“. Wir können nur hoffen, dass diese Gewissheit Sr. Roswitha durch die dunkelsten Stunden ihres Lebens getragen hat. Es war die Zeit, als sie sich nicht mehr mit Worten verständlich machen konnte und sie mehr und mehr gezwungen war, in ihrer eigenen Welt zu leben, zu der es nur noch sehr schwer für Andere einen Zutritt gab. In dieser Zeit wurde sie von den Mitschwestern liebevoll betreut und von ihren Verwandten regelmäßig besucht.

Am Sonntag, dem 22. Februar 2015, hat der Herr sie bei der Hand genommen, so wie es auf dem letzten Bild des Gemalten Lebens dargestellt ist, um sie heimzuführen zum Vater. In seiner Liebe wissen wir sie geborgen.

„Es ist gut, den Freund der Freunde zu erfreuen und an ewigen Werken mitzuwirken, vor allem aber ganz und gar und für immer unserem Meister zur Verfügung zu sein.“ Mary Ward