Schuljubiläum und Ehrung in Eichstätt

150 Jahre Maria-Ward-Schule in Eichstätt:

Bischof Hanke verleiht die Bistumsmedaille an Sr. Claudia Köberlein

Mit einem feierlichen Gottesdienst und einem großen Festakt feierte die Schulgemeinschaft der Maria-Ward-Realschule in Eichstätt am Freitag, 03. Mai 2019, gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft ihr 150-jähriges Bestehen.

Sr. Sabine Adam CJ, Provinzialoberin der Mitteleuropäischen Provinz der Congratio Jesu, stellte die Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, die im Zentrum des Wirkens Mary Wards standen, in den Mittelpunkt ihrer Rede. Die Eichstätter Maria-Ward-Realschule habe mit der erfolgreichen und engagierten Umsetzung des "Marchtaler Plans", der eine ganzheitliche Vermittlung von Bildung und Wissen und eine Kombination von personaler, sozialer und religiöser Erziehung anstrebt, einen wichtigen Schritt in die Zukunft gemacht. Zudem engagiere sich die Schulgemeinschaft seit vielen Jahren aktiv für soziale Projekte in aller Welt und habe die zentralen Werte der Ordensgründerin der Congregatio Jesu vorbildlich in ihr Konzept eingebunden. "Danke an Mary Ward, die diese Schule inspiriert hat, und sicher vom Himmel aus wohlwollend auf sie hinabschaut", sagte Sr. Sabine.

Auch Peter Nothaft gratulierte. Das Besondere an der pädagogischen Profilierung, durch die sich die Eichstätter Realschule als eine von 32 Maria-Ward-Schulen in Bayern auszeichne, sei das Element des Vertrauens, das als pädagogischer Grundstein die Arbeit an der Schule präge, sagte der Direktor des Katholischen Schulwerks in Bayern.

Barbara Staudigl, Leiterin des Schulreferats der Diözese Eichstätt und ehemalige Schulleiterin der Maria-Ward-Schule, betonte, dass die Schule sich nicht nur für Jungen geöffnet und sich zu einer gebundenen Ganztagsschule entwickelt, sondern auch Fairtrade-Schule und MINT-freundliche Schule geworden sei: "Die Maria-Ward-Schule ist eine Schule, die als pastoraler Erfahrungsraum für junge Menschen gelebt wird, ein Ort, an dem junge Menschen die heilvolle und zukunftsermöglichende Botschaft des Evangeliums hören."

Bischof Gregor Maria Hanke hob die Bedeutung der Namensgeberin der Schule hervor: Mary Ward habe sich mit unermüdlichem Veränderungswillen für Frauen und Bildung starkgemacht. "Frauen können der Kirche mehr geben als beschauliches Leben hinter Klostermauern; sie können Jüngerinnen sein", so Bischof Hanke. Ausdrücklich sprach er den Schwestern der Congregatio Jesu seinen Dank für viele Jahrzehnte der aktiven und spirituellen Begleitung der Schule aus: "Ohne sie gäbe es die Maria-Ward-Schule in Eichstätt gar nicht."

Eine besondere Ehrung hatte Bischof Hanke für die Oberin der Congregatio Jesu in Eichstätt, Sr. Claudia Köberlein CJ, vorbereitet. Feierlich überreichte er ihr die Bistumsmedaille für herausragendes ehrenamtliches Engagement in der Diözese: "Unterwegs-Sein und Pilgern, sich immer wieder neu aufmachen ist ein wesentliches Element der Spiritualität Mary Wards. Schwester Claudia macht sich immer wieder auf den Weg, gerade mit jenen, die keine Heimat haben, die geflohen sind oder vertrieben wurden", betonte der Bischof. 

Sr. Claudia kam im Februar 2014 von Bamberg nach Eichstätt, um als Oberin die Leitung der Niederlassung am Residenzplatz zu übernehmen. Schnell konnte sie mit ihren neuen Nachbarn, den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften der Maria-Ward-Realschule ein herzliches Verhältnis aufbauen und begleitete diese beim Umzug in das neue Schulgebäude. Als im Oktober 2014 300 Flüchtlinge in der alten Schule eine erste Bleibe fanden, taten Sr. Claudia und ihre Mitschwestern alles, um ihnen den Start in Deutschland zu erleichtern: Sie gaben Deutschunterricht, halfen bei Botengängen und Briefen, betreuten die Kinder  und waren als Seelsorgerinnen für alle Sorgen und Nöte da. Auch bei der Einrichtung einer Willkommensklasse für die Flüchtlingskinder war Sr. Claudia an der Seite der Maria-Ward-Schule.

"Sr. Claudia wurde auch politisch aktiv, schrieb Briefe an Politiker, nahm diese in die Pflicht, kämpfte um bessere Bedingungen und schnellere Eingliederungschancen für die Flüchtlinge", hob Bischof Hanke hervor und betonte, dass Sr. Claudia auch nach Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung am Residenzplatz viele Flüchtlinge weiterhin betreut, in ihren neuen Unterkünften besucht und unterstützt habe. "Dass ein kleines Mädchen ihr Patenkind wurde und ihren Namen trägt, ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit die hier gewachsen ist."

Im Juni 2017 wurde die Abschiebehaft für Flüchtlinge in Eichstätt eröffnet. Seither ist Sr. Claudia dort regelmäßig zu Besuch, bringt den dort inhaftierten Menschen kleinere Dinge, die man für das tägliche Leben braucht – vor allem aber Trost und Menschlichkeit. "Natürlich sei die Atmosphäre dort deprimierend", habe Sr. Claudia in einem Gespräch berichtet, erzählte Bischof Hanke. "Aber sie dürfe danach immer wieder in die Freiheit gehen, da sei es doch das Wenigste, dass sie ein wenig ihrer Zeit jenen Menschen schenke, die dort inhaftiert sind", gab er die Motivation der geehrten Schwester wider.

Wir gratulieren Schwester Claudia herzlich zu dieser Auszeichnung!

 

Fotos: Congregatio Jesu Eichstätt