Sr. Margita Kahler CJ verstorben

Nachruf für Schwester M. Margita Kahler

26.04.1941 bis 14.06.2015

Im Sudentenland, als Jüngste von drei Kindern geboren, verlor Schwester Margita bereits mit drei Jahren ihre Mutter. Diese frühe Erfahrung des Sterbens der geliebten Mutter, verbunden mit der Ausweisung aus der Heimat, die bald darauf erfolgte, prägten Sr. Margita für ihr ganzes Leben. Zähigkeit und Hartnäckigkeit auf der einen Seite, Suche nach Geborgenheit und eine innige Verbundenheit mit Maria als der himmlischen Mutter wurden zu Charaktereigenschaften, die sie auszeichneten. Der Vater mit der Großmutter und den drei Kindern siedelte sich in Oberrothan bei Schwabmünchen an, wo Margit die Volksschule besuchte.

Es folgte die Gymnasialzeit in Augsburg, zunächst am Gymnasium Maria-Theresia. Durch eine Freundin kam sie in Kontakt mit den Maria Ward Schwestern. Bereits als 17-Jährige trat sie in die Kandidatur ein und machte 1961 am Gymnasium der „Englischen Fräulein“ ihr Abitur. Einen Monat später begann ihr zweijähriges Noviziat. Nach einem knappen Jahr Studium an der Theologisch-philosophischen Hochschule St. Stefan wechselte sie nach München, wo sie für das Lehramt am Gymnasium Englisch, Theologie und Französisch studierte. Es folgten Auslandsaufenthalte in London und Grenoble.

Nach dem 2. Staatsexamen begann sie als Lehrerin am Maria- Ward-Gymnasium Augsburg, der Schule, die zu ihrem Lebenswerk wurde. Als ihr mit 36 Jahren die Leitung der Schule übertragen wurde, war die Gemeinschaft - auf der Suche nach zeitgemäßen Formen des Ordenslebens - in Richtungskämpfe verstrickt, in die auch das Schulkollegium hineingezogen wurde. Diese erste Zeit als Schulleiterin hat sie als sehr schwer erlebt. 30 Jahre lang stand sie der Schule vor. Diese Schule liebte sie.

Sie nahm Anteil auch an den privaten Nöten und Freuden der Kolleginnen und Kollegen. Auch zu ihren Geschwistern und Nichten (ihre Schwester lebt in Amerika; der Bruder bei Augsburg), zu Freunden und Bekannten pflegte sie intensive Beziehungen. Sie fand immer Gründe, zusammenzukommen, um miteinander zu sprechen, voneinander zu erfahren, zu feiern, auch zu beten und Gott hereinzuholen in das Leben. Im Gesprächskreis, im Englischunterricht, bei Faschingseinlagen und Besinnungstagen hat sie sich in die Gemeinschaft eingebracht. Sie hat Menschen geistlich begleitet und Exerzitien gegeben. Ihre Sprachkenntnisse waren wiederholt gefragt, wenn sie bei internationalen Tagungen als Übersetzerin fungierte oder für das Generalat schriftliche Übersetzungen anfertigte.

Sr. Margita konnte auch unerbittlich sein, wenn sie von etwas überzeugt war. Das war ein Wesenszug, der für Konflikte gesorgt hat. Man konnte und musste sich zuweilen an ihr reiben.-
Sie bleibt uns in Erinnerung als eine Frau von Kraft und Stärke, von Lebensfreude, von manchmal kindlicher Einfachheit.

Sie starb nach einem schweren Krankheitsweg an einem Sonntag; begleitet von den Mitschwestern und hinüber geleitet vom Gesang ihrer Nichte und ihres Großneffen.
Jetzt ist sie in der Heimat, die sie nach dem Tod der Mutter verloren und wohl hier auf Erden nie so ganz wiedergefunden hatte, endgültig angekommen. RIP
Sr. Sabine Adam CJ