Einweihung von zwei Gedenkplaketten in Lüttich

Mary Ward kehrt nach Lüttich zurück

Einweihung von zwei Gedenkplaketten in der belgischen Stadt

„Ich freue mich, dass noch immer Frauen aus ganz Europa hierherkommen, um Mary Wards zu gedenken. Noch mehr aber freue ich mich, dass es Frauen in aller Welt gibt, die das leben, wofür Mary Ward und die ersten Schwestern ihrer Gemeinschaft sich eingesetzt haben: Den Glauben leben und weitergeben, sich einsetzen für Mädchen und Frauen und Hilfe für Menschen in Armut und Not.“  Der Lütticher Generalvikar Alphonse Borras freute sich sehr, dass er bei der Einweihung von zwei Gedenkplaketten in der belgischen Stadt dabei sein konnte.

Der Lütticher Generalvikar Alphonse Borras weihte die Gedenkplakette ein.

Zahlreiche Schwestern von Congregatio Jesu und der Loreto-Schwestern, die beide auf Mary Ward als Gründerin zurückgehen, waren an den Ort gekommen, an dem Mary Ward im Winter 1616 den zweiten Standort ihrer noch jungen Gemeinschaft gegründet hatte.

Aus Saint Omer kommend hatten die Frauen auf dem Mont Saint Martin in der Rue des Bégard 27-29 ein Haus gemietet und eine Schule für Mädchen eröffnet. Schon bald hatte die Gemeinschaft so großen Zulauf, dass ein Noviziat eröffnet wurde. In der Rue Pierreuse 126 lebten zahlreiche junge Frauen, die sich auf das Leben in der Gemeinschaft vorbereiteten. An beiden Orten erinnern nun Gedenkplaketten an Mary Ward, ihre Gründung und ihr Werk und informieren Einheimische und Touristen in drei Sprachen über die Gründerin der Maria-Ward-Schwestern (CJ und IBVM).

Neben den Schwestern waren auch Anwohner, Vertreter der Stadt und des Bistums und sogar ein Fernsehsender gekommen.

Neben Generalvikar Borras, der den erkrankten Bischof Henri Delville vertrat, waren auch der emeritierte Bischof Aloys Jousten, der Lütticher Bürgermeister Firket , zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner sowie Mitglieder des historischen Vereins der wallonischen Stadt gekommen, um mit den Schwestern aus England, Irland, Spanien, Deutschland und der Slowakei die Einweihung zu feiern.

Dabei betonten die verschiedenen Rednerinnen und Redner, dass Mary Ward in Lüttich nicht nur gelebt, sondern auch tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht habe. In der Rue des Bégards arbeitete sie auch an den Konstitutionen, die sie ihrem Institut geben wollte und bei Exerzitien in der Rue Pierreuse hat sie die spirituelle Erfahrung gemacht, dass sie und ihre Gefährtinnen zu allen Menschen berufen und gerufen sind.

Auch auf die schwierigen Situationen gingen die Laudatoren ein und berichteten von den schweren finanziellen Verhältnissen, von der Pest, die die Schwestern nicht aussparte und vom Streit zwischen Mary Ward und einer Schwester, die ihre Art der Spiritualität öffentlich kritisierte. Auch die dramatischen Umstände um die Auflösung der Kommunität in Lüttich wurden nicht verschwiegen.

Große Freude herrschte bei den anwesenden Schwestern und Gefährtinnen über die neuen Gedenkplaketten.

Doch trotz der schweren Zeiten, die die frühen Mitglieder der Congregatio Jesu dort erlebten, war und bleibt Lüttich ein wichtiger Ort. Es ist dem Historiker und ehemaligen Direktor des Lütticher Stadtarchivs, Dr. Bruno Dumont, zu verdanken, dass nun die genauen Orte bekannt sind, an denen die Schwestern im 17. Jahrhundert lebten und arbeiteten. In mühevoller Kleinarbeit hat er alte Urkunden, Dokumente und Stadtpläne untersucht, um die genauen Adressen zu ermitteln. „Ich wollte, dass Sie nicht ungefähr wissen, wo Ihre Gründerin gelebt hat, sondern dass Sie es genau wissen“, erklärte er den Schwestern bei der kleinen Feierstunde.

Auf einem alten Stadtplan sieht man, wie das Noviziatsgebäude früher aussah.

„Auch wenn viele Bauwerke der damaligen Zeit nicht mehr existieren und auch das Haus, in dem das Noviziat damals stand, vor rund 200 Jahren niederbrannte und mittlerweile ein neueres Haus dort steht, sind in der Rue des Bégard die Steine noch vorhanden, die Zeugen waren von Gebeten und Dienst an Menschen in Not. Sie könnten uns viel erzählen von Sorgen und Nöten, Streit und Versöhnung, aber auch von den schweren Stunden beim Verbot der Gemeinschaft und den Verhören durch die Verfolger Mary Wards.“

Dr. Bruno Dumont fand heraus, wo genau Mary Ward gelebt und gewirkt hat.

Das belgische Fernsehen hat die Feierstunde begleitet, den Bericht kann man unter https://www.rtc.be/liege_deux_plaques_commemoratives_en_memoire_de_mary_ward-1500250-999-325.html# ansehen. Selbst wenn man kein Französisch versteht, geben die Bilder doch einen guten Eindruck von den Örtlichkeiten.

 

Text und Fotos: Esther Finis