Wie fasten Schwestern?

Das Fasten hat im Christentum eine lange Tradition. Bereits im frühen Mittelalter bereiteten sich die Christen mit Fasten auf das Osterfest vor: Erlaubt war nur eine Mahlzeit am Tag und es gab strenge Vorschriften, was erlaubt und was verboten war. Heute sind die 40 Fastentage vor Ostern nicht mehr so eng geregelt. In dieser Zeit sollen wir Gläubigen uns auf das Wesentliche besinnen und so auf das Osterfest vorbereiten. Wie man die Fastenzeit gestaltet, ist den Gläubigen selbst überlassen - sei es durch Verzicht auf das Handy, Fernsehen, Süßigkeiten oder Alkohl oder durch den bewussten Verzicht auf verletzende oder herabwürdigende Worte, wie es Papst Leo XIV. in seiner Fastenbotschaft vorgeschlagen hat.
Auch die Schwestern der Congregatio Jesu fasten ganz unterschiedlich mit ganz eigenen Impulsen:
Sr. Mechtild Meckl CJ:
„Fasten“ in der Fastenzeit bedeutet für mich:
Verzicht auf Süßigkeiten, auch auf den Nachtisch;
den Fernseher ausschalten, wenn die gewählte Sendung zu Ende ist – nicht „sinnlos/ planlos“ weiterschauen – stattdessen die Zeit geistlich nutzen;
täglich auf meinen Öko-Fastenkalender schauen und mich anregen lassen.
Meine Motivationen:
„Fasten“ als Reinigung von Geist und Seele und gleichzeitig körperliche Entschlackung (das hilft auch der Gesundheit)
Spirituelle Einübung von Selbstbeherrschung zur Schulung der „reinen Absicht“
Um „aufmerksam zu leben“ im Alltag, damit es immer besser gelingt: im Gleichklang zu leben mit mir selbst, mit Gott, mit den Mitmenschen und der Schöpfung“
Sr. M. Gertrud Himmel CJ:
So spricht Gott, der Herr: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts lösen, die Stricke des Jochs entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. (…) Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst. (vgl. Jes 58,6-11)
Ich versuche, diese Verse zu beherzigen. Die „Verwandten“ sind ganz konkret die Mitschwestern, denen ich meine Aufmerksamkeit und Zeit schenke, denen ich zuhöre, die ich begleite, für die ich bete …
Sr. Elisabeth Kampe CJ
In unserer Gemeinschaft in Pasing ist es schon Tradition, dass wir in der Fastenzeit mittags auf den Nachtisch verzichten. Als Alternative steht Obst zur Verfügung.
Grund für diese Entscheidung ist:
Solidarität mit Menschen, die hungern und nicht das Nötigste zum Essen haben. Es ist ein echter Verzicht, denn alle schätzen den guten Nachtisch, den es sonst bei uns gibt.
Es ist auch ein Weg die eigene innere Freiheit zu testen. Kann ich auch in aller Freiheit etwas lassen, worauf ich mich sonst freue.
Und – es wird ein Fest, wenn wir uns dann an Ostern wieder auf einen leckeren Nachtisch freuen können. Der Verzicht hilft uns den Nachtisch neu zu schätzen, den wir sonst eigentlich sehr selbstverständlich täglich zu uns nehmen.
Sr. Amadea Lederwascher CJ:
Vom Referat für Neuevangelisierung in unserer Diözese Passau wird zu Beginn der Fastenzeit online ein Kurs „10 Tage Fasten“ angeboten, mit einem geistlichen Impuls an jedem Tag. Damit habe ich letztes Jahr gute Erfahrungen gemacht, so begann ich auch heuer damit die Fastenzeit. Mein Fasten besteht im sogenannten „Intervall-Fasten“: Zum Frühstück nur 1 Tasse Tee – Mittag das normale Gericht das auf den Tisch kommt, ohne Nachtisch – abends 1 Apfel, tagsüber viel Flüssigkeit, Wasser und Tee. Verzicht auf alle Süßigkeiten. Nach den 10 Tagen mache ich jetzt so weiter bis Ostern. Meine Motivation: Solidarität mit den Hungernden der Welt, ein klein wenig auch wegen Gewichtsabnahme.
Sr. Cristina Irsara CJ
Ich glaube, dass Fasten nur dann Sinn hat, wenn es von Herzen kommt und mein Leben neu orientiert. Die Fastenzeit lädt mich ein mein Denken, Reden und Tun bewusst anzuschauen und wahrzunehmen. Ich stelle mir die Fragen:
Was brauche ich, was ist mir am Wichtigsten auf dem Weg auf Ostern hin?
Wie gehe ich mit mir selber um? Was tut mir gut, was schadet mich?
Wie lebe ich meine Beziehungen zum Nächsten, zu denen, die Hilfe brauchen?
Wie pflege ich meine Beziehung zu Gott? Wie gestalte ich mein Gebet?
Ich gönne mir etwas, was mir Freude macht und nehme mir mehr Zeit für Ruhe und Erholung. Jeden Tag einen Spaziergang oder Musik hören.
Ich besuche Menschen, für die ich sonst wenig Zeit habe.
Ich pflege meine Gebetszeit und suche vor allem die Stille und die Anbetung.
Die Mahlzeiten sind bei mir mehr oder weniger immer gleich.





