Ein Haus für Mädchen

Jedes Jahr im Sommer kommt Sr. Mercy Shumbamhini CJ für einige Wochen in die Mitteleuropäische Provinz, um von dort aus durch die vielen Maria Ward-Schulen in Deutschland zu touren und den Menschen vor Ort von ihrer Arbeit in Simbabwe zu erzählen.
Ihr aktuelles Projekt, für das sie bei ihrem diesjährigen Besuch in den Schulen, in Diözesen und bei Spendern warb, liegt ihr ganz besonders am Herzen: Mithilfe von großzügigen Spendern wollen die Schwestern in Simbabwe ein Wohnheim für Mädchen auf dem Gelände der Mary Ward High School in Kwekwe bauen. Momentan gibt es auf dem Gelände ein kleines Gebäude, in dem zehn Mädchen während des Schuljahres unterkommen können. Dieses Häuschen platzt inzwischen allerdings aus allen Nähten und der Bedarf für eine Unterkunft ist stark gewachsen.
In Kwekwe herrscht, wie überall im Land eine hohe Arbeitslosigkeit und Armut, und daher wenige Möglichkeiten für Kinder und insbesondere Mädchen, zur Schule zu gehen.
Dazu kommt die Unsicherheit während des oft sehr weiten Schulwegs: Es gibt keine verlässlichen öffentlichen Verkehrsmittel, warum viele Mädchen zusätzlich daran gehindert werden, regelmäßig die Schule zu besuchen. Während der langen Schulwege sind die Schulmädchen Gefahren ausgesetzt, Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen zu werden.
Das Wohnheim soll es mindestens 60 schutzlosen Mädchen ermöglichen, während des Schuljahres vor Ort unterzukommen und sich so auf die Ausbildung konzentrieren zu können.

Doch zunächst muss die Finanzierung für das Haus gesichert werden, das nicht nur Schlafquartiere für 60 Mädchen und ihre Betreuerinnen bereitstellen, sondern auch Waschmöglichkeiten, eine Küche und Räume, in denen die Bewohnerinnen lernen und gemeinsam ihre Freizeit verbringen können. Die Kosten für den Bau des Mädchen-Wohnheims belaufen sich nach einer ersten Kalkulation auf etwa 1,5 Millionen US-Dollar. Davon waren erst gut 200 000 Dollar gesichert finanziert.
Sr. Mercy kann den Zuhörerinnen und Zuhören bei ihren Vorträgen sehr eindrücklich schildern, wie wichtig die Arbeit vor Ort ist. Jeder gespendete Cent wird zweckgebunden verwendet und kommt dort an, wo er am besten verwendet werden kann. Wenn Sr. Mercy in Deutschland vor Schulklassen und potentiellen Spender:innen spricht, ist es ihr aber besonders wichtig, nicht nur von dem Leid der Menschen in Simbabwe zu erzählen, sondern auch von den freudigen Momenten, von denen es jeden Tag viele gibt. Sie teilt diese Geschichten, die ja auch die Geschichten den Spender:innen sind, jedenfalls sieht das Sr. Mercy so. Und sich selbst als das Bindeglied: Denn auch die Kinder, Mädchen und jungen Frauen zuhause überhäufen sie immer wieder mit Fragen über das Leben der Menschen in Deutschland.
Wenn Sr. Mercy nicht gerade in Deutschland ihre Vorträge hält, arbeitet sie als Koordinatorin und Leiterin der Missionsentwicklung für die Provinz der CJ in Simbabwe.
Hintergrund:
Simbabwe gehört seit vielen Jahren zu den ärmsten Volkswirtschaften der Welt, obwohl es kurz nach der Unabhängigkeit in den 1980er und 1990er Jahren eine der stärksten Volkswirtschaften Afrikas hatte. Seitdem ist die Wirtschaftskraft des Landes um mehr als die Hälfte eingebrochen. Dabei sind die Voraussetzungen in dem Land eigentlich hervorragend: Simbabwe ist zwar ein Binnenland, verfügt aber über fruchtbare Böden und große Bodenschätze, wie Gold, Platin, Chrom, Nickel oder Diamanten hat. Durch verschiedene fehlerhafte Entscheidungen der Politik entstand Ende der 1990er Jahre eine Hyperinflation mit zweistelligen Teuerungsraten, die bis heute anhält.
Zusätzlich zu der schwierigen wirtschaftlichen Lage erlebt Simbabwe seit mehreren Jahren auch immer wiederkehrende Dürren, wodurch immer wieder ganze Ernten zerstört werden. Die Folgen für die Bevölkerung sind eine hohe Arbeitslosigkeit und Ernährungsunsicherheit.
Das hat Auswirkungen auf die Arbeit der Schwestern, die in Simbabwe viele Projekte, insbesondere für Kinder und Frauen, betreuen: Sr. Mercy erzählt davon, dass viele Familien es sich nicht leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken, da sie sich weder die Schuluniformen, noch das geringe Schulgeld leisten können. Statt zur Schule, werden die Kinder häufig auf die Straße geschickt, um durch Betteln zum Familieneinkommen beizutragen. Dabei geraten sie leicht in gefährliche Situationen: Ausbeutung und sexueller Missbrauch sind die Folge.
Text: Christina Waechter, Bilder: Sr. Simone Remmert CJ
Spendenkonto für alle, die helfen möchten:
Congregatio Jesu-Mitteleurop. P.
IBAN DE32 7509 0300 1202 1020 21
BIC GENODEF1M05
Stichwort: Simbabwe









