Gerufen und Gesandt - Teil 4: Postulat

2007 wurde Sr. Elisabeth Pak eingeladen, um ihr goldenes Ordensjubiläum an dem Ort zu feiern, wo ihre Ordenszugehörigkeit ihren Anfang genommen hatte: Nach München. Zu diesem Anlass verfasste sie eine Erinnerung an die Jahre ihrer Ausbildung in Nymphenburger Noviziat. Mit Hilfe ihrer ehemaligen Mit-Novizin Sr. Renata Lauber CJ brachte sie den Text im Deutschen ins Reine und las ihn den Mitschwestern bei der Feier vor.
Zum Anlasss des 70. Jahrestags ihrer Ankunft in München veröffentlichen wir dieses außergewöhnliche Zeitdokument noch einmal in mehreren Teilen.
Teil 4: Das Postulat
Postulat
03.02.1957 – 23.08.1957
Ehe ich es gedacht hatte, waren die sechs Monate meiner Kandidatur vorbei.
Ich hatte viel gelernt, viel nachgedacht, und war mir klar geworden über meine Gefühle und Ziele. Ich wollte mich von Gott führen lassen, auch wenn ich den Weg nicht kannte und mir noch vieles fremd war.
Auf meine Bitte hin wurde ich am 03. Februar 1957 mit acht deutschen Kandidatinnen ins Postulat aufgenommen. Als äußeres Zeichen erhielten wir ein schwarzes Kreuz, das wir ab jetzt an einer schwarzen Kordel für alle sichtbar auf unserer Kleidung trugen. Diese änderte sich nicht.
Mit der Zeit nahmen meine Kümmernisse wegen der mangelhaften Sprachkenntnisse ab. Immer öfter wagte ich einen deutschen Satz. Eines Tages spürte ich, dass ich schon an Gesprächen teilnehmen konnte. Ich verstand, was die anderen sagten, und ich konnte auch ausdrücken, was ich sagen wollte. Das war eine große Erleichterung. Mater Loyola hatte sich im Deutschunterricht nicht umsonst mit mir geplagt.
Großer Friede zog in mein Herz ein
Ich versuchte, die hier übliche Lebensweise anzunehmen und meine Erwartungen zurückzustellen. Da zog großer Friede in mein Herz ein.
Im Laufe der Monate reifte die Entscheidung:
Als Mater Generaloberin M. Edelburga Solzbacher in Rom meine Bitte erhalten hatte, schickte sie mir eine ernste Antwort.
Meine Reaktion war einfach. Entscheidend ist die Berufung zum Ordensstand. Wenn ich berufen bin, habe ich mit dem Ort, an dem ich leben werde, keine Probleme.
Hintergrund:
1964 gingen mit Sr. Elisabeth Pak drei weitere koreanische Schwestern, die ihre Ordensausbildung in der Mitteleuropäischen Provinz absolviert hatten, zurück in ihre Heimat, um dort die erste Niederlassung in Korea zu gründen. wurde von Nymphenburg aus die erste Niederlassung in Korea gegründet, das erste Haus wurde im gleichen Jahr in Seoul eröffnet. Zwei Jahre später wurden eine Grundschule und eine weiterführende Schule in Dae-Jeon eröffnet. Die Entwicklung der CJ in Südkorea verlief rasant: Bis 1973 war die Mission und der Orden so stark gewachsen, dass eine eigene Koreanische Provinz mit einer koreanischen Provinzoberin gegründet wurde. Heute ist die koreanische Provinz eine der größten innerhalb der CJ. Die Gemeinschaften sind heute über ganz Südkorea verteilt. Derzeit hat die Provinz über 230 Mitglieder, die in vielen Bereichen tätig sind: In Bildung, Krankenpflege, Seelsorge und geistliche Begleitung. 2007 hat die Koreanische Provinz zudem ein Studentinnen-Wohnheim in der Mongolei eröffnet, 2013 in Manila eine Gemeinschaft für Studentinnen und 2020 eine weitere Gemeinschaft auf den Philippinen gegründet. Seit 2019 gibt es auch eine apostolische Präsenz der koreanischen Schwestern in Myanmar.



