Gerufen und Gesandt - Teil 2: Reise nach Deutschland
2007 wurde Sr. Elisabeth Pak eingeladen, um ihr goldenes Ordensjubiläum an dem Ort zu feiern, wo ihre Ordenszugehörigkeit ihren Anfang genommen hatte: Nach München. Zu diesem Anlass verfasste sie eine Erinnerung an die Jahre ihrer Ausbildung in Nymphenburger Noviziat. Mit Hilfe ihrer ehemaligen Mit-Novizin Sr. Renata Lauber CJ brachte sie den Text im Deutschen ins Reine und las ihn den Mitschwestern bei der Feier vor.
Zum Anlasss des 70. Jahrestags ihrer Ankunft in München veröffentlichen wir dieses außergewöhnliche Zeitdokument noch einmal in mehreren Teilen.

Teil 2: Reise nach Deutschland
Am 30. Juli 1956 war der Abflug von Seoul.
Am Flughafen Kim-Po nahm ich Abschied von meiner Familie, meinen vielen Angehörigen und Bekannten.
Die tränenfeuchten Augen meiner Eltern machten den Abschied noch schwerer. Mit bangem Herzen stieg ich in das Flugzeug, das mich in eine unbekannte Welt und Zukunft bringen sollte. Bis dahin hatte ich die Flugzeuge nur am Himmel gesehen. Alles war mir fremd.
Nach einer Stunde landeten wir in Japan und wurden für eine Nacht in ein Hotel gebracht. Ich war erleichtert, dass mit dem gleichen Flugzeug vier Vertreter der koreanischen Caritas auch nach Deutschland flogen. So fühlte ich mich nicht ganz verlassen.
31. Juli: in Japan
Mit diesen vier Fluggästen ging ich am nächsten Morgen in die nahegelegene Jesuitenkirche zum Besuch der hl. Messe. Nach dem Gottesdienst erfuhr ich, dass es der 400. Todestag des Hl. Ignatius von Loyola war. Ich betrachte es als eine liebevolle Fügung Gottes, dass ich am Beginn meines Weges dieses Fest dort mitfeiern durfte. Ich hatte noch keine Ahnung, dass die Schwestern des Instituts der Englischen Fräulein – Institutum Beatae Mariae Virginis – die ich kennenlernen wollte, nach der Spiritualität des hl. Ignatius lebten.
Am Nachmittag flogen wir von Japan aus Richtung München. Der Flug dauerte drei Tage. Es gab mehrere Zwischenlandungen. Die Route führte über Manila, Bangkok, Rangung, Calcutta, Karatschi, Kairo, Zürich.
Als ich in München-Riem aus dem Flugzeug stieg, hatte ich vor Aufregung starkes Herzklopfen.
03. August: Ankunft in Deutschland
Mater Provinzialoberin M. Tarasia Konstantin, Generalassistentin M. Agathe Bruckner und Kandidatenmeisterin M. Floriberta Finkeldei erwarteten mich und begrüßten mich sehr herzlich.
Damit wir diesen historischen Moment nicht vergessen (Wie könnte ich ihn je vergessen!), machte der Chauffeur, Herr Hollekamp, ein Foto.
Das Provinzauto brachte uns nach Nymphenburg. Ich hatte weder an der Stadt noch an der Umgebung Interesse. Ich fühlte mich ganz ängstlich, nur von der Sorge erfüllt: Wie werde ich hier leben können?
Als der Wagen vor dem Institut hielt, war die große Pfortentür weit geöffnet. Ich sah im Eingang viele schwarz gekleidete Schwestern und fühlte, dass eine freudig erregte Atmosphäre herrschte. Alle schüttelten mir herzlich die Hand. Mir war diese Art der Begrüßung sehr fremd, so dass ich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte. Ich wagte niemand anzuschauen und hielt den Kopf gesenkt.
Nach drei Tagen Flug war mir übel und ich konnte nichts essen. Ich fühlte mich nur elend. Ich fürchtete, dass die Schwestern einen schlechten Eindruck von mir hatten.
Hintergrund:
1964 gingen mit Sr. Elisabeth Pak drei weitere koreanische Schwestern, die ihre Ordensausbildung in der Mitteleuropäischen Provinz absolviert hatten, zurück in ihre Heimat, um dort die erste Niederlassung in Korea zu gründen. wurde von Nymphenburg aus die erste Niederlassung in Korea gegründet, das erste Haus wurde im gleichen Jahr in Seoul eröffnet. Zwei Jahre später wurden eine Grundschule und eine weiterführende Schule in Dae-Jeon eröffnet. Die Entwicklung der CJ in Südkorea verlief rasant: Bis 1973 war die Mission und der Orden so stark gewachsen, dass eine eigene Koreanische Provinz mit einer koreanischen Provinzoberin gegründet wurde. Heute ist die koreanische Provinz eine der größten innerhalb der CJ. Die Gemeinschaften sind heute über ganz Südkorea verteilt. Derzeit hat die Provinz über 230 Mitglieder, die in vielen Bereichen tätig sind: In Bildung, Krankenpflege, Seelsorge und geistliche Begleitung. 2007 hat die Koreanische Provinz zudem ein Studentinnen-Wohnheim in der Mongolei eröffnet, 2013 in Manila eine Gemeinschaft für Studentinnen und 2020 eine weitere Gemeinschaft auf den Philippinen gegründet. Seit 2019 gibt es auch eine apostolische Präsenz der koreanischen Schwestern in Myanmar.



