Osterbrief der Generaloberin

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Ostern 2026

 

Liebe Gefährtinnen im Herrn!


Versetzen wir uns in die Lage der Jünger unmittelbar vor der Begegnung mit dem Auferstandenen – sie sind zutiefst verunsichert, reden miteinander über das, was sie erlebt oder gehört haben, aber vielleicht nicht glauben können, was jenseits ihres Begreifens liegt. Wo eigentlich überschäumende Freude sein sollte, macht sich Verwirrung und Ratlosigkeit breit. Und dann tritt plötzlich der Auferstandene in ihre Mitte – der, über den sie die ganze Zeit geredet haben, aber sie erkennen ihn nicht.


Sein Erscheinen löst zunächst Fassungslosigkeit und Angst aus, trotz der vorher gehörten Botschaft der Auferstehung, des Zeugnisses derer, die Jesus begegnet waren. Es ist einfach zu wunderbar, jenseits jeglichen Fassungsvermögens. Sie waren nicht vorbereitet auf diese Begegnung, und es bedarf einer geduldigen Pädagogik Jesu, sie davon zu überzeugen, dass tatsächlich Er es ist, dass Er lebt, dass Er sich ihnen zuwendet. Es braucht Zeit, bis die Seele nachkommt.


Wenn wir die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen auf unseren Alltag herunterbrechen, sind es dann nicht oft Situationen, in denen sich Verwirrung breit macht, Situationen bohrender Fragen oder nagender Zweifel? Sind es Situationen, in denen wir in unserem persönlichen Leben an Grenzen stoßen, sind es Situationen, in denen wir als Gemeinschaft, als Teil unserer so komplexen Welt, Fragen stellen, Antworten suchen, die nächsten Schritte ertasten, über unsere Zukunft nachdenken und Perspektiven zu entwickeln versuchen. Und das alles in einer Mischung aus Vertrauen, Glauben, Hoffnung, aber auch leiser Furcht, Ungewissheit, vielleicht manchmal mit Anflügen von Zweifeln, Frustration und Pessimismus. Wie oft stecken wir bis über beide Ohren in unseren Gedanken und Gesprächen und sehen nicht mehr über das hinaus, was uns gerade umtreibt.


“Während sie noch darüber redeten,
trat Jesus selbst in ihre Mitte
und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!“
Lk 24,36


Und genau dahinein erscheint der Auferstandene, bezeugt die Überwindung des Todes und verheißt uns Frieden. Sind wir fähig, Ihn zu erkennen? Oder übersehen auch wir Ihn, verkennen Ihn? Können wir uns öffnen für seine liebevollen und geduldigen Versuche, sich zu erkennen zu geben, uns empfänglich zu machen für seinen Frieden und das Leben, das den Tod ein für alle Mal überwunden hat? Können wir uns öffnen für die immense Freude angesichts des neuen, unauslöschlichen Lebens?


Wir können und müssen darum bitten und einander dabei helfen, sensibel zu sein für die tatsächliche Gegenwart des Auferstandenen in unserem Leben, in unserer Mitte. Wir werden dann erfahren, dass die Dunkelheit sich in das zarte und verheißungsvolle Licht des Ostermorgens verwandelt, das uns mit Freude, Hoffnung und Vertrauen erfüllt. Wir werden mit jeder Faser unseres Seins spüren, dass unser Glaube an die Überwindung des Todes und der Friede des Auferstandenen keine billige Jenseitsvertröstung sind, sondern in unser reales Leben eingreifen und entscheidend bestimmen, wie wir unsere Gegenwart und Zukunft angehen. Es bringt Verwandlung und treibt uns dazu, unsere Ostererfahrung mit anderen zu teilen.


Der Auferstandene Herr spricht uns Seinen Frieden zu – jeder von uns persönlich und uns als Gemeinschaft, als Teil der Schöpfung. Der auferstandene Herr ist und bleibt bei uns, wir sind niemals alleine, niemals verlassen oder verloren. Wir werden fähig, das Leben mit all seinen Freuden und Verheißungen, aber auch mit all seinen Unsicherheiten und Fragen anzunehmen und mit positiver Energie anzugehen, weil Er lebt und uns Frieden schenkt.


Lasst uns jubeln mit dem Psalmisten: „Ich will dir danken Herr, aus ganzem Herzen, verkünden will ich deine Wunder. Ich will jauchzen und mich an dir freuen, für dich, du Höchster, will ich singen und spielen“ (Ps 9,2+3)
Von Herzen wünsche ich Ihnen allen gesegnete und von Herzen frohe Ostern!