Predigt zur Mary-Ward-Woche
In der Pfarrei St. Marien, Bad Homburg, stand der Gottesdienst an diesem Sonntag ganz im Zeichen Maria Wards. Es ist Tradition, dass die CJ-Schwestern am Sonntag der Maria-Ward-Woche die Predigt übernehmen. In diesem Jahr predigte Sr. Nathalie darüber, was Nachfolge Jesu bedeuten kann und wie sie im Leben der Congregatio Jesu konkret wird. Sie berichtete auch von der Vereinigungsfeier im November in Loyola. Pfarrer Werner Meuer dankte den Schwestern der Congregatio Jesu für ihre schon über 130jährige Präsenz und ihr Wirken in Bad Homburg, in der Schule und darüber hinaus, und wünschte den Schwestern und dem Orden alles Gute.

1 Kor 1, 10-13.17 + Mt 4, 12-23
„Komm‘ her, mir nach“. Gab es einen Moment in Ihrem Leben, an dem Sie diesen Ruf Jesu gehört haben? Vielleicht haben Sie irgendwann einmal ganz bewusst die Entscheidung für Gott, für Jesus, getroffen. Vielleicht sind Sie auch langsam in diese Entscheidung hineingewachsen. Eine Grundentscheidung, die immer wieder erneuert, aktualisiert, werden will. Denn Jesu‘ Ruf verstummt nicht: „Mir nach“ ruft er uns immer wieder neu zu. Eine Einladung, sich in an ihm, seinem Leben und seiner Botschaft, zu orientieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Entscheidung, diese Einladung anzunehmen, das Leben reich macht, lebendig, spannend. Nachfolge Jesu kann ganz unterschiedlich aussehen; sie kann in verschiedene Lebensformen führen. Für jede und jeden von uns gilt es, die je eigene Form zu finden, auf Jesu Ruf zu antworten.
Auf die Jünger damals muss Jesus absolut überzeugend gewirkt haben. „Sofort“, „sogleich“ eilen sie ihm nach. Jesus hat nie aufgehört, Menschen in seine Nachfolge zu rufen. Eine Frau, die sehr entschieden auf diesen Ruf geantwortet hat, war Maria Ward. 1585 wurde sie in Mulwith im englischen Yorkshire geboren; wuchs zur Zeit der Katholikenverfolgung auf. Dass sie Jesus nachfolgen will, war ihr früh klar. Die Klärung, wie genau brauchte einige Jahre und auch zwei Fehlversuche. Eigentlich wollte sie Märtyrerin werden, sah‘ dann aber ein, dass Gott sie lebendig in seinem Dienst braucht. Sie trat dann erst in ein strenges Klarissenkloster ein, trat kurz später wieder aus, um ein eigenes Kloster zu gründen. Auch das verließ sie wieder. Schließlich erkannte sie, was Gott von ihr will: „Nimm‘ das Gleiche der Gesellschaft Jesu“. Diesen Auftrag hörte sie in einer Vision und gründete einen Orden nach dem Vorbild der Jesuiten. Ich erspare Ihnen jetzt unsere lange, komplizierte Ordensgeschichte. Kurz: ein Frauenorden unter eigener, weiblicher, Leitung, dessen Schwestern außerhalb von Klostermauern apostolisch tätig sind und so das Evangelium verkünden – damit war Maria Ward zu früh für die Kirche. Die Anerkennung dessen, was sie damals wollte, hat letztlich Jahrhunderte gedauert. Auf dem Weg dahin kam es aus politischen und kirchlichen Gründen immer wieder zu Spaltungen der Gemeinschaft, die auf Maria Ward zurückging, so dass es letztlich zwei Ordensgemeinschaften gab, die Maria Ward ihre Gründerin nannten.
„Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch“, schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth. Spaltungen sind nie gut – auch nicht, wenn sie ungewollt und unverschuldet sind. Der Weg hin zur Einheit kann lang sein und braucht oft Geduld und Beharrlichkeit. Die Congregatio Jesu und das Institute of the Blessed Virgin Mary, kurz IBVM (eher unter dem Namen „Loreto-Schwestern“ bekannt), sind diesen Weg gegangen. Nach mehreren Anläufen war es vor einigen Wochen so weit: am 4. November habe ich 580 „neue“ Mitschwestern bekommen. Die IBVM-Schwestern sind der Congregatio Jesu beigetreten. Nun sind wir über 1800 Schwestern in 40 Ländern; auf allen Kontinenten sind wir vertreten.
Ich durfte als eine der deutschen Vertreterinnen an der Vereinigungsfeier im spanischen Loyola teilnehmen - dem Geburtsort des heiligen Ignatius, nach dessen Ordensregel wir heute leben. Eine Ehre; ein unvergessliches Erlebnis! Die Tage in Loyola waren geprägt von der Begegnung mit Mitschwestern aus aller Welt – und von Freude und Dankbarkeit. Es war eine lebendige Erfahrung von Weltkirche. „Komm her
– mir nach“ – auf diesen Ruf Jesu antworten auf der ganzen Welt Menschen. Ich bin beeindruckt, wie meine – nun vereinten – Mitschwestern weltweit darauf antworten: Ein roter Faden durch unsere Sendungen in allen Ländern ist der Einsatz für Mädchen und Frauen, aber auch für andere benachteiligte Menschen, für die Schöpfung oder für Menschen, die in Exerzitien nach ihrer persönlichen Form der Nachfolge Jesu suchen. Mitschwestern weltweit fühlen sich gesandt, das Evangelium zu verkünden.
„Das Himmelreich ist nahe“ verkündet Jesus damals am See von Galiläa. Was für eine Verheißung! Durch Jesus soll sich erfüllen, was der Prophet Jesaja verkündet hatte: „das Volk, das im Dunklen saß, hat ein helles Licht gesehen“. Dort, wo Jesus wirkt, können Menschen etwas vom anbrechenden Reich Gottes spüren. Ich denke, ein Kriterium für gelungene Nachfolge Jesu ist, ob es dort, wo wir sind und wirken, heller wird im Leben der Menschen. Etwa für die junge Frau im Südsudan, die auf unsere Schule gehen darf, statt zwangsverheiratet zu werden. Für die Menschen in Kuba, die oft Mangel leiden – aber die dankbar sind, dass da Schwestern sind, die sie nicht verlassen, sondern ihren Alltag mit ihnen leben. Für die Menschen in Sorge, die in einer Schwester jemanden finden, die ihnen zuhört und ihnen hilft, neue Hoffnung zu schöpfen – ob in Kanada, in Indien, in Australien, in Deutschland oder in vielen anderen Ländern.
Solidarisch da sein, zuhören, Wege aus der Armut eröffnen – drei Beispiele für konkret gelebte Nachfolge Jesu. Es gibt viele weitere Möglichkeiten: die Stimme gegen Ungerechtigkeit erheben, sich um Kranke, Einsame oder Sterbende kümmern, ein gutes, bestärkendes Wort zu demjenigen, der gerade so viele negative Worte hört… „Komm her – mir nach“: wie wird die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, in Ihrem Leben konkret? Und wer ist mit Ihnen unterwegs in dieser Nachfolge? Wo gibt es Menschen, mit denen Sie sich verbunden fühlen im Glauben und in der Art und Weise, ihn zu leben?
Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird mit dem Ordensleben. Werden in Zukunft noch junge Menschen in meine Gemeinschaft eintreten? Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird mit der Kirche. Wo und wie wird zukünftig Glaube gelebt? Ich bin mir aber sicher: Jesus wird auch in Zukunft noch Menschen ansprechen: „Kommt her, mir nach“ – und es wird Menschen geben, die ihm folgen und das Leben anderer Menschen hell machen.
Text: Sr. Nathalie Korf CJ





