Sr. Bernardine Weber CJ zum 100. Geburtstag

„Sich dem Werk der Schöpfung und dem Wirken Gottes annähern“

Sr. Bernardine Weber CJ zum 100. Geburtstag

Über Jahrzehnte waren die Geräusche von Sägen, Hobeln, Stemmeisen und anderen Werkzeugen, die für Bildhauer, die mit Holz arbeiten, typisch sind, für die Schwestern der Congregatio Jesu in München-Nymphenburg ein nahezu täglicher Begleiter. Denn eine ihrer Mitschwestern – Sr. Bernardine Weber CJ – war in ihrem Atelier auf dem Institutsgelände jeden Vormittag als Bildhauerin tätig. Nachmittags legte sie die Künstlerinnenschürze ab und betreute als Erzieherin die Kinder und Jugendlichen des Nymphenburger Internats.

Ein ungewöhnlicher Weg für eine Maria-Ward-Schwester und doch ein ganz passender. Sr. Bernardine wurde 1919 geboren und war das achte von neun Kindern eines Holzarbeiters aus einem kleinen Dorf bei Hengersberg, am Eingang zum Bayerischen Wald.

Große Schritte

Schon früh fielen ihre Wissbegier, ihre Begabung für das Lernen und auch ihre handwerkliche Geschicklichkeit auf. Eine Lehrerin an der Volksschule verschaffte ihr ein Stipendium für den Besuch des Lyzeums bei den damals „Englischen Fräulein“ genannten Maria-Ward-Schwestern in Wasserburg am Inn. Ein großer Einschnitt für die damals Elfjährige. Später beschrieb sie, dass sie nicht nur Heimweh nach ihrer Familie, sondern auch „Heimweh nach dem Holz“ gehabt habe.

Nach dem erfolgreichen Schulbesuch absolvierte sie von 1937 bis 1939 eine Ausbildung als Erzieherin am Institut der Englischen Fräulein in Haag. Als sie während dieser Zeit das erste Mal mit Ton arbeitete, formulierte sie ihren Berufswunsch vor ihrer Klasse: „… ich weiß jetzt endlich, was ich werden will, ich werde Bildhauerin.“

Am 25. August 1939 trat Sr. Bernardine in Nymphenburg in die Congregatio Jesu ein, 1941 legte sie die Erstprofess, 1947 schließlich die Ewigprofess ab.  Zu Beginn wünschte sie sich, für die Ordensgemeinschaft nach Indien zu gehen, „um Kapellen auszugestalten mit Figuren.“ Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte diesen Träumen ein Ende. Nachdem das Schulgebäude der Congregatio Jesu in Nymphenburg vom NS-Regime zu einem Hilfskrankenhaus umfunktioniert worden war, wurde Sr. Bernardine dort als Pflegerin eingesetzt. Da es in dem Gebäude keinen Aufzug gab, mussten die Schwestern die Kranken, die von anderen Münchner Kliniken als „hoffnungslose Fälle“ an das Hilfsspital übergeben worden waren, bei Luftangriffen in die Schutzräume im Keller tragen.

Bildhauerin und Erzieherin

Ihr Traum von der Bildhauerei überlebte jedoch alle Strapazen, und so trat Sr. Bernardine nach Kriegsende mit dem Wunsch an ihre Provinzoberin heran, eine akademische Ausbildung als Bildhauerin beginnen zu dürfen. Die Genehmigung wurde erteilt, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie die Aufnahmeprüfung im ersten Anlauf schaffe – was ihr an der Akademie der Bildenden Künste in München im Jahr 1946 auch gelang. In der Klasse von Josef Henselmann studierte sie tagsüber Bildhauerei, im weiterhin bestehenden Hilfskrankenhaus war sie danach als Nachtwache und Hilfskrankenschwester tätig.

Nach dem Abschluss ihres Kunststudiums im Jahre 1950 begann die Zeit, die die Mitschwestern so gut kannten: morgens Bildhauerin, nachmittags Erzieherin.

Sr. Bernardine Weber CJ bei der Arbeit

Kunst und Glaube

Ihre Kunst und ihr Glaube beeinflussten sich gegenseitig. Geprägt von der Spiritualität Mary Wards gestaltete sie viele Frauenfiguren und zeigte lebensnahe, unkonventionelle Mädchen, Frauen und auch biblische Frauenfiguren. Ihre Arbeiten entstanden dabei sowohl im Holz als auch inhaltlich von innen heraus. Wir sehen Figuren, die herauskommen, nachdem die Künstlerin lange in sich hineingehört hat.

Künstlerische Zusammenarbeit

Durch ihre künstlerische Tätigkeit lernte sie den Bildhauer Karl Knappe kennen. Auch er arbeitete bevorzugt mit Holz. Von 1952 bis 1963 teilten sie sich das Atelier auf dem Institutsgelände. Hier entstanden mehr als 300 Werke der Ordensschwester. Die von der Sr. Bernardine gewählten Motive sind sowohl säkularer als auch religiöser Natur, wobei sich diese 'Welten' nicht ausschließen. Für die Bildfindung wesentlich ist 'Zufälliges': Spalten, Risse, Brüche, Astgabelungen, Fundstücke mit Verwitterungsspuren oder Spuren von Tieren. Die Künstlerin lässt sich sehr intensiv durch Schauen, Horchen, Studieren, Meditieren auf die Ausstrahlung der Materie ein, spürt den schon im Holz verborgenen Formen nach und holt sie heraus. Meist arbeitete sie mit Lindenholz aus dem Nymphenburger Schlosspark.

Die Künstlerin vor ihrem Atelier

Sr. Bernardine Weber CJ starb am 28. März 2012.

Ihren 100. Geburtstag nehmen wir zum Anlass, das Werk unserer Mitschwester mit gleich drei Ausstellungen zu würdigen. Die Ausstellungen finden in den Lebensräumen der Künstlerin statt:

  • Die Kirche der Congregatio Jesu in Nymphenburg als ihre räumliche und geistliche Heimat
  • St. Michael als Zentrum der ignatianischen Spiritualität in München
  • Schloss Nymphenburg mit den angrenzenden Gebäuden und dem Park als Quelle für ihren Werkstoff Holz.

Termine:

25.03.2019 – 29.03.2019: „Hören und Schauen ... nach Innen hinübergehen ... Aufschauen ... Erkennen und Trost finden“
Ort: Kirche der Congregatio Jesu, Maria-Ward-Straße 11, 80638 München
Öffnungszeiten:
Montag – Donnerstag: 8 Uhr – 11 Uhr und 14 Uhr – 16:30 Uhr, Freitag: 8 Uhr – 10 Uhr

07.04.2019 – 26.04.2019: „Das ist eigentlich mystisch: Ganz drinnen sein und bleiben“
Ort: Zentrum St. Michael – Glaubensorientierung; Eingang: Maxburgstr. 1, 80333 München
Öffnungszeiten:
Montag – Donnerstag: 9:00 Uhr – 12:30 Uhr sowie 13:30 Uhr –17:00 Uhr, Freitag: 9:00 Uhr – 12:30 Uhr sowie 13:30 Uhr – 15:00 Uhr
Feierliche Vernissage am 07.04.2019, 10:30 Uhr (nach dem Hochamt um 9 Uhr)

04.05.2019 – 07.05.2019: „ ... aufgehen und blühen, das ist Leben“
Ort: Eisernes Haus von Schloss Nymphenburg
Öffnungszeiten: täglich 10:00 Uhr – 17:00 Uhr

Mehr zu den Ausstellungen erfahren Sie hier.

Eine ausführliche Biographie der Künstlerin können Sie hier nachlesen.

 

Fotos der Werke: Wilfried Klatt
historische Aufnahmen: Archiv der Congregatio Jesu