Impulse - Archiv

März 2019

Zum 23. April:

Mit Gott träumt Mary Ward vom Menschen.

Es wäre köstlich, so träumte sie vor 400 Jahren,
wenn die Sinne der Vernunft gehorchten,
und die Vernunft dem göttlichen Willen.
Wenn es weder Unsicherheit im Verstehen
noch Neigung zum Bösen gäbe.
Wenn der Menschen Tun dem Willen ihres Schöpfers entspräche
und sie sich freuten, dass Gott sich an ihnen freut.“

Manches bleibt Utopie, so lang wir irdisch sind.

Und doch könnte man einen Zipfel erhaschen,
und einfach mal anfangen,
und so tun als ob …

 

Text: Sr. Ursula Dirmeier CJ
Foto: Sr. Helena Erler CJ

Zum 23. März:

Ich bitte dich demütig, o Freund der Freunde,
lass nicht diese und andere Gnadengaben
zu meiner größeren Verurteilung gereichen;
denn während ich immer empfange,
wirke ich nicht mit allem mit und bleibe daher undankbar.

So schreibt Mary Ward im reflektierenden Blick auf ihr Leben.
Andersherum formuliert: Antworten
auf das immerwährende Empfangen aus der Hand Gottes heißt,
in allem mitzuwirken und dadurch dankbar zu sein.

Nicht wenige Menschen sehen hinter all dem,
was sie dankbar empfangen haben und täglich empfangen,
einen letzten Ursprung und Geber, dem sie sich und ihr Leben verdanken.

Ja, aber nicht alle Gegebenheiten in einem Leben sind gut.
Da gibt es die Widrigkeiten, die Hindernisse, die Bosheiten,
die Schmerzen und Einschränkungen, die Abbrüche und Verluste …
Kommen sie auch aus der Hand Gottes? Darüber kann man philosophieren
oder sie als Herausforderungen sehen, einem ins Leben gestellt.

Und da steckt noch etwas in dem Wort Mitwirkung.
Es schützt mich vor Überforderung.
Denn in Mitwirkung steckt einerseits Verantwortung:
Gott zeigt sich als der auf mich Angewiesene, er will nicht ohne mich.

In Mitwirkung steckt aber auch Entlastung – es gibt ein größeres Ganzes,
das ich nicht überblicken kann und muss.
Da ist Gott, der die Hauptlast trägt, die Richtung vorgibt, das Ganze zum guten Ende bringt.

Um so viel geht es und nur um so viel:
Während und weil ich empfange, will ich mitwirken und dadurch danken.

"Einfache Dinge mit einer besonderen Liebe, Hingabe und Sorgfalt ausführen"

Impuls zum 23. Februar:

"Da ich dazu neige, 
bereitwilliger solche Dinge zu lieben und zu unternehmen, 
die den Klang und Anschein von Besonderheit und Größe haben, 
will ich mich von nun an mühen, 
einfachere Dinge mit einer besonderen Liebe, Hingabe und Sorgfalt 
zu umfangen und auszuführen. – 
Und will immer wachsam sein, 
zu irgendeiner Zeit meine Hilfe in größeren Angelegenheiten 
benötigt werden sollte, 
dass ich nicht Zeit und Kräfte darauf verwende, 
meine eigene Zufriedenheit oder das Lob anderer zu suchen."

(Mary Ward)

Glücklicherweise hat Mary Ward sich etwas zugetraut 
und ihr Licht nicht unter den Scheffel gestellt. 
Auch bei ihr war es so, dass die Gefahren dort lauern,
wo ihre Stärken sind. 

Das akzepierend, hat sie auf zweierlei Weise gegengesteuert:
Sie will zum einen den einfachen alltäglichen Aufgaben 
die gleiche Aufmerksamkeit schenken.
Sie behält zum anderen auch die großen Aufträge im Blick,
will aber genauer auf die Motivation schauen – 
nicht so sehr, weil das sonst nach Eitelkeit riecht,
sondern vor allem, weil es unfrei macht.

 

Sr. Ursula Dirmeier CJ

Seiten