Weltfrauentag: Mary Ward als Vorbild

Frauen können Großes bewirken - davon war Mary Ward schon vor über 400 Jahren überzeugt. Und sie lebte vor, wie das geht.

Zum Weltfrauentag erzählen wir eine solche Begebenheit aus unserer Ordensgeschichte, die uns bis heute inspiriert und wegweisend für Frauen sein kann.

 

Päpstliches Siegel von 1615

Was Mary Ward von Gott gezeigt bekommen hatte und als die für sie bestimmte Sendung im Gebet immer wieder überprüft hatte, war für die kirchlichen Strukturen im 17. Jahrhundert undenkbar. "Die Frauen gäben sich als Ordenspersonen aus, wollten aber keine Moniales, Nonnen im herkömmlichen Sinn sein, sein. Ihr Ziel sei die Bekehrung Englands, wo sie sich priesterliche Aufgaben anmaßten. Sie entzögen anderen englischen Klöstern in den Spanischen Niederlanden die Kandidatinnen und erhöben ihr Institut über allen anderen Orden. Sie hielten sich nicht an die kirchlichen Klausurvorschriften." So zitiert Sr. Immolata Wetter (in: Mary Ward, S. 44) eine der unzähligen Beschwerden, die über diese Frauen in den Vatikan gesandt wurde. Diese Frauen, die ohne Klausur Mädchen unterrichten und für die Verbreitung des Glaubens werben wollten - nach der gleichen Ordensregel wie die der Jesuiten.

Nach erstem wohlwollenden Lob von Papst Paul V. wurde es mit seinen Nachfolgern deutlich schwieriger. Am 7. Juli 1628 ließ Papst Urban VIII., der durch die zahlreichen erfolgreichen Gründungen von Kommunitäten und Schulen der "Englischen Fräulein" alarmiert war, die Aufhebung aller Niederlassungen beschließen. Benachrichtigt wurden die Nuntiaturen in Wien, Köln, Brüssel und Neapel, nicht aber die Betroffenen selbst.

Ein Missständekatalog von 20 Punkten wurde mit Hilfe der negativen Nachrichten seit 1522 zusammengestellt und als Instruktion mit dem Dekret den Nuntien in Wien, Köln, Brüssel und Neapel zugesandt. Auch diesen bekamen Mary Ward und die Ihrigen nicht vorgelegt. Vielmehr wurde sie aktiv getäuscht:

Im September 1628 hatte Maria wieder eine Audienz bei Nuntius Pallotta in Wien. Er schürte Hoffnungen, "indem er ihr zu einer Reise nach Rom riet, damit sie dort nochmals wegen der Bestätigung verhandle." Doch als als Mary selbst noch einmal nach Rom kam, sagte man ihr noch immer nicht die Wahrheit. Deshalb war sie der Auffassung, dass die Aufhebung der Niederlassungen nicht vom Papst kommen könne, und schrieb an die Schwestern in Lüttich, sie sollten sich der Schließung nicht unterwerfen.

Das Angerkloster: Marys Zelle soll in dem Bau vor der Kirche gelegen gewesen sein.

Wieder zurück in München wurde Mary Ward am 7. Februar 1631 verhaftet und inhaftiert. Als die Obrigkeiten sie abholten, um sie im Kloster Sankt Klara, besser als "Angerkloster" bekannt, zu inhaftieren. Bot man ihr an, sie bei Dunkelheit abzuholen. "Ich habe stets das Licht geliebt" soll ihre Antwort gewesen sein. Um einen Aufruhr zu verhindern, wurde sie in einer Kutsche gefahren - Mary selbst wäre lieber zu Fuß gegangen.

Noch immer wartete sie auf den Entscheid des Papstes. Ihren Gefährtinnen schrieb sie in der Zeit ihrer Inhaftierung heimlich Briefe. Sie nutzte dazu "Geheimtinte" aus Zitronensaft, die ihre Gefährtinnen über einer Kerze wieder sichtbar machen konntwn. Trotz der Härte, die sie erfuhr, schrieb sie beispielsweise: "Es geschieht nur, was Gott will."

Ende März 1531 erkrankte Mary so schwer, dass sie um die Sterbesakramente bat. Dafür sollte sie ein Schreiben unterzeichnen, aus dem, wie sie glaubte, ein Eingeständnis von Schuld hätte entnommen werden können. Zusätzlich sollte sie mit der Unterschrift ihre Gefährtinnen belasten. Sie wies diese Erklärung zurück und war bereit, auf die Sakramente zu verzichten. In der damaligen Zeit war auch das unerhört. Und vielleicht hat diese Geste Papst Urban überzeugt, denn wenige Woche später ließ er sie begnadigen und verfügte gleichzeitig das endgültige Verbot ihres Instituts.

Mathilde Köhler schreibt in Maria Ward. Ein Frauenschicksal des 17. Jahrhunderts: "Maria Ward war nach Flandern gegangen, um eine Nonne im mittelalterlichen Sinn zu werden. Sie unterwarf sich dem strengen Orden. Und in Flandern, im spanischkatholischen, Rom nahen Asyl, erkannte sie, daß die Zeit etwas anderes verlangte oder vielmehr: sie fühlte, daß eine Geistigkeit zu erobern war, die die Welt, den Alltag der einzelnen, die Zukunft der Familie erneuerte. Mehr als zehn Jahre (von 1609 bis 1621) versuchte sie, in Gemeinschaft mit den mutigen Frauen, die ihr von England folgten, in ein mehr oder weniger unentdecktes Niemandsland, geistig gesehen – materiell betrachtet, in ein riesiges Nichts – eine Lebensform auszuarbeiten, die Zukunft in sich hatte. Als sie und ihre Gefährtinnen sich dieser Lebensform sicher waren, machte sie sich auf nach Rom ... Aber man traute diesen fremden Frauen nicht, sie wurden bekämpft nach althergebrachter Weise: mit Verboten."

Lange Jahre vor der aktuellen Weltsynode, befasste sich der Journalist Rolf Schneider in der Wochenzeitung Die Zeit mit Mary Wards Mut und der Frage, warum es unsere Ordensgemeinschaft - trotz des harten Verbotes - bis heute gibt: "Freilich, die Institution war nun einmal in der Welt, sie ließ sich nicht einfach mehr austilgen. Wie ihre männlichen Vorbilder, die Jesuiten, waren die Anhängerinnen der Maria Ward bevorzugt im Erziehungsgeschäft tätig, sie erzogen Schülerinnen, es wurde die erste dezidierte pädagogische Tätigkeit von Frauen und für Frauen in der modernen Geschichte. Erfolg und Nachhall waren beträchtlich. Die aufgeklärten Kreise des Katholizismus mochten auf diese Errungenschaft nicht mehr verzichten. In einer Grauzone kirchlicher Legalität durften die Englischen Fräulein als weiblicher Laienorden ihre schulische Tätigkeit fortführen."

Und heute? Heute setzen Frauen aus verschiedenen Regionen der Welt, in verschiedenen Altersstufen, mit verschiedenen Ausbildungen und unterschiedlichen Kompetenzen die Idee dieser mutigen Vorkämpferin Tag für Tag in die Realität um. Das hatten die kirchlichen Würdenträger sich vermutlich 1631 anders vorgestellt - aber zur Größeren Ehre Gottes (AMDG) besteht unsere Ordensgemeinschaft weiter.