Das Senioren- und Pflegeheim St. Hildegardis in Siegsdorf

Ganz am südlichen Rand von Siegsdorf, einem kleinen Ort im Chiemgau mit Blick auf die Bayerischen Alpen liegt das Senioren- und Pflegeheim St. Hildegard. Das Heim wird von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul betrieben und noch bis vor einem Jahr war es ein Pflegeheim nur für Schwestern und Brüder und ehemalige Priester. Seit diesem Jahr ist es für die Allgemeinheit geöffnet, doch noch immer prägen die Barmherzigen Schwestern mit ihrem Charisma den Alltag in St. Hildegard.
Das zeigt sich schon im Tagesablauf: Um kurz nach sieben Uhr morgens wird die Laudes gesungen – und per Lautsprecher auf den Fluren übertragen. Danach sind die Bewohner:innen wach. Um 7:30 Uhr wird die heilige Messe von einem Pfarrer gelesen. Anschließend gibt es ein Frühstück mit reichem Angebot – und sogar selbstgebackenem Brot. Um 11:30 Uhr gibt es Mittagessen, um 16:45 Uhr Rosenkranz mit anschließender Vesper. An all den geistlichen Angeboten können die Bewohner:innen teilnehmen, müssen es aber nicht.
Die Schwestern der Congregatio Jesu, die in dem Pflegeheim bei Adelholzen leben, haben einen informellen Stammtisch, an dem sie sich immer treffen, wenn sie sich nach Gesellschaft fühlen. Sr. Germana Hofbauer CJ genießt die gute Atmosphäre im Haus und die wunderschöne Landschaft, die von überall zu sehen ist. Einen Nachteil hat diese prominente Lage aber durchaus: Das Gelände außerhalb des Seniorenheims wird sehr schnell hügelig und ist für Menschen, die auf Rollator oder den Rollstuhl angewiesen sind, nicht so einfach zu bewältigen.
Nachmittags, wenn die Schwestern ihren Mittagsschlaf absolviert haben, treffen sie sich oft zum Spielen: Rommé, Triominos, Rummikup, und andere Spiele, die ihnen Spaß machen. Anschließend gibt es dann bisweilen sogar noch einen kleinen Likör. Oder sie nehmen an einem der täglich stattfindenden offene Angebote teil: Bingo, Gedächtnistraining, gemeinsames Singen. Auch Besuche sind möglich und auch gerne zum Mittagessen gesehen, wenn sie sich vorher anmelden.
Gefeiert wird sehr viel im Haus. Zu Geburts- und Namenstag gibt es Blumen und am Monatsende werden die Geburtstagskinder des vergangenen Monats in der Cafeteria noch einmal extra gefeiert.
Von 17:30 bis 18:15 Uhr ist Abendessen, danach Complet. Und dann haben die Schwestern „frei“. Manche gehen dann zum Fernsehen, anderen schwimmen eine Runde im Hauseigenen Schwimmbad, das sich im Keller befindet.
Für sie ist das Leben in der Gemeinschaft an einem Ort, wo andere Menschen sich um ihre Bedürfnisse kümmern, eine große Erleichterung. Jetzt haben sie Zeit, vieles zu verarbeiten, was in ihrem Leben vorgefallen ist. Sr. Germana glaubt sogar, jetzt im hohen Alter eine ganz neue Seite an sich selbst erkannt zu haben: Sie kann richtig albern sein. Vorher waren sie immer in irgendeinem Zusammenhang tätig: Für die anderen Mitschwestern, an der Pforte oder in der Küche. Nun, in Adelholzen, ist die Schwester wirklich und wahrhaftig in Rente und darf sie selbst sein. Das ist eine Freiheit, die sie jetzt genießt.
Die Schwestern sitzen beim Essen immer zusammen in einer Gruppe. Alle zwei Wochen bekommen sie Besuch von Sr. Grazia. St. Hildegard ist nicht ihre Heimat, nicht ihr Institut. Aber sie sind schwesterlich aufgenommen. Und fühlen sich hier wohl.
Text und Bilder: Christina Waechter