Raum-Klang-Installation mit Mary Ward in Regensburg

Die beiden Ordensgründerinnen Mary Ward und Maria Theresia Gerhardinger sind zurzeit in einer Raum-Klang-Installation im „Leeren Beutel” in Regensburg zu sehen. Wie es dazu kam, können Sie in diesem Bericht von M. Renata Lauber, CJ nachlesen:

Auf etwas ungewöhliche Weise erfuhr ich von einer besonderen Ausstellung in Regensburg:

Ich hatte Mitte August ein Paket aus Berlin bekommen. Da mir die Absenderin unbekannt war, fragte ich schriftlich bei ihr nach, ob es sich nicht um einen Irrläufer handle.
Schon wenige Tage später erreichte mich ein Telefonanruf von Frau Bojana Knežević aus Belgrad. Sie erinnerte mich daran, dass sie im Oktober 2017 zu einem Gespräch über die Congregatio Jesu und über unsere Gründerin Maria Ward bei uns in Regensburg war, was ich im Um-zugsgeschehen fast vergessen hatte. Im Paket sei ein „kleines Dankgeschenk“, das sie mir geben wollte, als sie zur Vorbereitung der Ausstellung Ende Juli und bei der Präsentation ihrer Kunstwerke (am 28. Juli) in Regensburg war.

Da wir zu diesem Zeitpunkt Regensburg schon verlassen hatten, erfragte sie bei den Schulschwestern meine neue Adresse und bat ihre Freundin aus Berlin, es mir zu schicken. So wusste ich, dass das Paket wirklich mir zugedacht war und öffnete es.

Zu meiner großen Freude enthielt es „ein handgemachtes Ölgemälde auf Holz der lieben Mary Ward“, wie Frau Knežević im Begleitbrief schrieb. Sie sei sehr “inspiriert von dieser starken und guten Frau“. Wie ich später erfuhr, ist die Malerin des Bildes ihre Mutter, die als Künstlerin vor allem auf religiöse Gemälde spezialisiert ist.

Jetzt stellten sich die Fragen: Von wem geht diese Ausstellung aus? Aus welchem Grund wurde sie gestaltet? Welcher Art ist die Ausstellung? Diese letzte Frage hatte ich schon beim Gespräch im Herbst gestellt, als Bojana Knežević mit einer Dame von „Donumenta“ bei mir war. Die Künstlerin versuchte mir zu erklären, dass das Projekt erst gestaltet werden müsse, dass sie jetzt noch nicht wisse, was daraus entstünde.

Nun findet man im Internet Antworten auf diese Fragen: www.regensburg.de/danube-art-lab

Das „Danube Art Lab“ versammelt Künstlerinnen und Künstler, die das kulturelle Erbe der UNESCO-Welterbestadt Regensburg neu interpretieren. Sie kommen aus den Ländern des europäischen Donauraums. Zu den ausstellenden Künstlerinnen  und Künstlern gehört auch Bojana S. Knežević.

Ich konnte bei meinen Recherchen einiges über die Ausstellung herausfinden: Die Stadt Re-gensburg hat zusammen mit dem EU-Projekt „Kulturplattform Donauraum – Kreative Orte des 21. Jahrhunderts“ unter Leitung des Bundeskanzleramts Österreich und mit dem „donumenta e.V.“ das „Danube Art Lab“ ins Leben gerufen, ein Laboratorium für zeitgenössische Kunst und Kultur im Donauraum. „Ziel es ist, Verborgenes oder in Vergessenheit Geratenes zu visualisieren“, heißt es in den Ausstellungsunterlagen.

Bojana Knežević ist Multimediakünstlerin und Kunstjournalistin, die sich besonders mit den Bereichen Performance, Video, audio-visuelle Installation und Klangkunst auseinandersetzt. Ihre Kunstprojekte sind interaktiv und sozial engagiert. Die Künstlerin hat einen Bachelor- und Masterabschluss in Medienkunst (Akademie der Bildenden Künste Novi Sad) und promovierte in Interdisziplinärer Digitaler Kunst an der Universität der Künste in Belgrad.

In Regensburg beschäftigte sie sich mit dem Leben in den Frauenklöstern, vor allem mit den Armen Schulschwestern, gegründet von Maria Theresia Gerhardinger (1797–1879), und eben mit uns, den „Englischen Fräulein“. Bei ihrem Besuch im vergangenen Jahr fragte sie, welche unterschiedlichen Beweggründe Frauen in Gegenwart und Vergangenheit zu einem Leben im Kloster veranlassten.

In den Ausstellungsinformationen wird ihr Kunstprojekt so vorgestellt: „Die Künstlerin will herausfinden, warum in heutiger Zeit ein Mangel an Novizinnen besteht – eine Entwicklung, die europaweit zur Schließung vieler Klöster geführt hat. Auch der Damenkonvent der Englischen Fräulein in Regensburg steht kurz vor der Auflösung; die älteren Nonnen, die dort gelebt haben, ziehen in andere Städte und Klöster, um dort ihren Lebensabend zu verbringen.

Die Gespräche, die Bojana S. Knežević mit fünf Nonnen führte, beschäftigten sich mit Maria Theresia Gerhardinger und Maria Ward – zwei außergewöhnliche Gründerpersönlichkeiten aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Lebensverhältnissen. Beide sahen sich mit Herausforderungen und Widerständen konfrontiert, um ihre Berufung zu erfüllen – eine Berufung, die der Bil-dung und Emanzipation von Frauen gewidmet war. Inspiriert von diesen Gründerpersönlichkeiten, gewähren die Nonnen Einblick in ihre eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen und Geschichten, die sie dazu veranlasst haben ins Kloster zu gehen. Fasziniert von der Energie und der Tatkraft dieser katholischen Schwesternorden geht Bojana S. Knežević der Frage nach, in welchem Verhältnis ein solches Leben zu der Geschichte und den Grundsätzen des Feminismus steht. In der Städtischen Galerie im Leeren Beutel präsentiert die Künstlerin ihr Projekt als Rauminstallation. Dabei verbindet Bojana S. Knežević Klang- und Textfragmente aus den Gesprächen mit ihren persönlichen Erfahrungen, Überlegungen, Vorurteilen und Zweifeln.“


In einem Brief gab mir Bojana Knežević noch eine persönliche Erklärung: „Für das Artwork habe ich einige Teile aus den Interviews verwendet, die später dramatisiert und ins Englische übersetzt wurden – einige Teile wurden von mir gelesen und einige wurden auf Wänden der hölzernen Zellenkonstruktion in der Galerie geschrieben.“
In einem der Bücher über Maria Ward, die Frau Knežević gern entgegennahm, war zufällig ein Notenblatt mit einem Lied über Mary Ward: „Go, Mary, go!“ Für ihre Raum-Klang-Installation hat sie es für Klavier und Stimme interpretiert und selbst gesungen.
 
Mit Erlaubnis der Künstlerin können wir hier einige Bilder von der Ausstellung zeigen, die sie mir geschickt hat. Auch den Mary-Ward-Song hat sie mir zugesandt und wir dürfen ihn hier veröffentlichen. Mit einem Klick können Sie ihn anhören.

Danke, liebe Frau Knežević, dass Sie Leben und Werk dieser beiden Frauen gewürdigt haben.

Text: M. Renata Lauber CJ
Fotos: Bojana Knežević

Hinweis:
Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Leerer Beutel ist noch bis zum 14. Oktober 2018 in der Bertholdstraße 9, 93047 Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 16 Uhr, Freier Eintritt jeden ersten Sonntag im Monat.