Congregatio Jesu verabschiedet sich aus Mindelheim

Dankbarkeit für viele gute Beziehungen

Congregatio Jesu verabschiedet sich aus Mindelheim

Am 02. Juni 2019 geht eine Ära in Mindelheim zu Ende: Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Jesuitenkirche verabschieden sich die Schwestern der Congregatio Jesu aus der Stadt. Doch der Geist ihrer Ordensgründerin Mary Ward wird bleiben, denn die Mindelheimer Maria-Ward-Realschule trägt die Spiritualität und die Tatkraft, die die Schwestern vermittelt haben, weiter. Davon zeugt auch eine eigene Abschiedsfeier der Schulgemeinschaft für „ihre Schwestern“, die am 23. Mai 2019 stattfindet.

Das Institutshaus in Mindelheim. Foto: Archiv

Seit mehr als 20 Jahren ist die Mindelheimer Maria-Ward-Schule Teil des katholischen Schulwerkes in Augsburg. Die Schwestern der Congregatio Jesu haben mit Hilfe des Schulwerks vorgesorgt, damit die Maria-Ward-Schulbildung in der Stadt – seit dem laufenden Schuljahr für Buben und Mädchen – unbehindert weitergehen kann, wenn die Schwestern sich zurückziehen müssen. 

Auch nach dem Rückzug aus der Schule brachten sich die Schwestern in vielfältiger Weise aktiv in der Stadt und der Pfarrgemeinde ein. Sie betreuten Senioren und Kranke, besuchten Menschen im Krankenhaus, waren als Kommunionhelferinnen oder Organistin eingesetzt. Zu Spitzenzeiten Ende der 1920er Jahre lebten in Mindelheim 80 Schwestern. Nun sind es noch acht, die im Haus an der Maximilianstraße wohnen. Im Juni werden sie nach Augsburg, Bamberg, München und Altötting umziehen. 

„Die Schwestern gehen schweren Herzens, haben sie sich doch in der Stadt beheimatet gefühlt und viele Beziehungen zu den unterschiedlichsten Menschen aufgebaut“, sagt Provinzialoberin Sr. Sabine Adam CJ. „Aber sie wissen auch, dass Abschiednehmen zur rechten Zeit genauso eine Kunst ist, wie den rechten Zeitpunkt zu finden, etwas Neues zu beginnen. Gleichzeitig gehen die Schwestern im Wissen darum, Mary Ward und ihrem Einsatz für eine gute Bildung in Mindelheim einen Ort gesichert zu haben. Sie sind dankbar, dass die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Mitarbeiter im Bistum diese Arbeit im Geiste Mary Wards fortsetzen werden.“

Zur Geschichte: 
Im Juni 1701 begannen fünf Mitglieder der Englischen Fräulein – so lautete damals die Bezeichnung der Schwestern der Congregatio Jesu – auf die ausdrückliche Bitte von Herzog Maximilian Philipp in Bayern und dessen Frau, Herzogin Mauritia Febronia, eine Unterrichtstätigkeit in Mindelheim.

Herzogin Mauritia Febronia. Foto: ArchivIn der Chronik „Zum Gedächtnis des 300-jährigen Bestehens des Institutes BMV der Englischen Fräulein in Bayern 1626 – 1926“ heißt es dazu: „Gleichwohl wollte die edle Gemahlin des Herzogs Maximilian Philipp, welche die größte Hochschätzung für die Englischen Fräulein hegte, das Institut in ihr Regierungsgebiet verpflanzt wissen.

Die Oberstvorsteherin M. Barbara Babthorpe nahm das Angebot der Herzogin Mauritia Febronia dankbar an und bestimmte auf deren ausdrücklichen Wunsch M. Elisabeth de Rantienne als erste Oberin des neuen Hauses. Am 12. Juni 1701 kamen fünf Englische Fräulein in Mindelheim an.“

1809 wurden die 16 Mitglieder des Hauses mit ihrer damals 73-jährigen Oberin durch ein königliches Dekret aus Mindelheim vertrieben und dem Institutshaus in Augsburg zugewiesen. Die Schule durfte weiterbestehen, jedoch durften die Lehrerinnen keine Schwestern sein. 1831 durften die Schwestern nach Mindelheim zurückkehren und das Institutsgebäude zurückerwerben.

Die Maria-Ward-Realschule Mindelheim gehört seit 1997 zum katholischen Schulwerk der Diözese Augsburg. Rund 50 Lehrkräfte stellen sich der Herausforderung einer fundierten, umfassenden und wertorientierten Bildung der ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler.