Gerufen und Gesandt - Teil 6: Das Noviziat

2007 wurde Sr. Elisabeth Pak  eingeladen, um ihr goldenes Ordensjubiläum an dem Ort zu feiern, wo ihre Ordenszugehörigkeit ihren Anfang genommen hatte: Nach München. Zu diesem Anlass verfasste sie eine Erinnerung an die Jahre ihrer Ausbildung in Nymphenburger Noviziat. Mit Hilfe ihrer ehemaligen Mit-Novizin Sr. Renata Lauber CJ brachte sie den Text im Deutschen ins Reine und las ihn den Mitschwestern bei der Feier vor.

Zum Anlasss des 70. Jahrestags ihrer Ankunft in München veröffentlichen wir dieses außergewöhnliche Zeitdokument noch einmal in mehreren Teilen.

Teil 6: Das Noviziat

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Sr. Elisabeth in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Nymphenburg. © Archiv der Congregatio Jesu - Mitteleuropäische Provinz, München

Das Noviziat 24. 08. 1957 – 23. 08. 1959

Mit dem Ordenskleid hatten wir auch einen neuen Namen bekommen. Ich hieß jetzt Schwester Elisabeth. Meine Namenspatronin war die „Base Elisabeth“, die Verwandte der Gottesmutter.

Zur Noviziatsgemeinschaft gehörten 14 Novizinnen im zweiten  Jahr, neun im ersten Jahr und sieben Erstprofessinnen, die ihren Einsatzort in Nymphenburg hatten.

Unsere Novizenmeisterin war M. Georgine Grottauer.

Zur Tageordnung gehörten die hl. Messe (mit der Hausgemeinschaft), das Stundengebet (Offizium), ½ Stunde Betrachtung, ½ Stunde geistliche Lesung oder Erklärung der Ordensregeln im Noviziat, Anbetung und Gewissenserforschung mittags und abends. Jede sollte für sich den Rosenkranz beten und Zeit für persönliches Gebet finden. Am Samstag war gemeinsamer Rosenkranz in der Kapelle. Zum Nachtgebet fanden sich wieder alle Schwestern in der Kapelle ein.

Herr Studienprofessor Hofer und Herr Prälat Irschl kamen abwechseln einmal in der Woche und unterrichteten uns in Katechese und Kirchengeschichte.

Im Rhythmus von zwei Wochen hatten wir Beichtgelegenheit, entweder bei Herrn Hofer oder bei einem Salvatorianerpater, der von auswärts kam.

Mittags gingen wir oft als Gemeinschaft spazieren, meist in den nahen Park beim Nymphenburger Schloss. Am Abend hatten wir „Rekreation“, eine gemeinsame Erholungszeit, auf die sich alle freuten.

Besonderheiten im Noviziat

Einmal im Monat hatten wir „Besprechung“ bei der Novizenmeisterin, die sehr persönlich war. Außerdem mussten die deutschen Schwestern jeweils einige unserer 81 Regeln auswendig lernen. Ich sollte den schwierigen Text flüssig vorlesen können.

Im Noviziat erwarteten uns auch einige Besonderheiten.

Tagsüber galt das „kleine“ und nachts das „große“ Stillschweigen.

Wir sollten – außer beim Spaziergang und in der Rekreation - nur das Nötigste miteinander sprechen. Ab 8.00 Uhr abends bis nach der hl. Messe am nächsten Morgen herrschte absolutes Stillschweigen.

Wir durften uns nicht mit den Schwestern außerhalb des Noviziats unterhalten.

Jede bekam im ersten Jahr eine Novizin des vorausgehenden Jahres als „Schutzengel“ an die Seite. Sie sollte Hilfestellung geben bei allen neuen Situationen.

Im Noviziat gab es verschiedene „Ämter“, einen Bereich, für den man zuständig war, z.B. morgens wecken, die Glocke im Noviziat vor den gemeinsamen Gebetszeiten läuten, für Ordnung im gemeinsamen Raum sorgen, im Speisesaal decken und das Geschirr spülen, die Bibliothek betreuen, Telefondienst an der Zentrale …

Wöchentlich wechselten wir uns ab als „Haushüterin“. Je zwei Schwestern putzten alle Räume, staubten ab und besorgten notwendige Arbeiten, wie Fensterputzen …

Vielfältig und flexibel - bereit zu jeder Arbeit

Diese Dienste versahen die Schwestern des ersten Jahres, die Novizinnen im zweiten Jahr waren z.T. wieder – je nach Ausbildung - in der Schule, im Internat, im Büro, in der Küche, im Nähzimmer, bei der Reinigung der Schule … eingesetzt. Manche bekamen auch einen neuen Dienst. So sollten wir vielseitig und flexibel werden und bereit zu jeder Arbeit.

Außer den Höhepunkten im Kirchenjahr, die wir gern und gut vorbereiteten,  gab es auch einige Höhepunkte im Alltag, zur Freude und Erholung, z.B. gemeinsame Ausflüge.

Ich erinnere mich, dass wir mit dem Zug nach Planegg fuhren, dann wanderten wir singend und ausgelassen fröhlich durch den Wald zur traditionsreichen Münchner Wallfahrtskirche „Maria Eich“, wo wir gern betend verweilten.

Anschließend hielten wir „Brotzeit“, wie es in Bayern heißt, und verzehrten die belegten Brote und das Obst, das wir mitbekommen hatten.

Ein anderes beliebtes Ziel für das Noviziat war Buchendorf bei Gauting. Dort hatten unsere Schwestern eine große Landwirtschaft. Es war ein schönes Gutshaus, das auch Raum für erholungsuchende und alte Schwestern hatte. Wir sangen auf den Gängen vor den geöffneten Zimmertüren und besuchten dann die kranken und alten Schwestern, die sich sehr darüber freuten.

Anschließend wurden wir bewirtet. Das würzige, selbstgebackene Bauernbrot mit goldgelber Butter * aus der eigenen Landwirtschaft schmeckte köstlich. Für Liebhaber von Süßem gab es dazu Honig von den Bienenvölkern im Garten.

Besonders freuten wir uns über die kühle gute Milch. So gestärkt, wanderten wir fröhlich wieder heim.

Deckel oder Dackel? Gebadet oder gebeten?

Auf meinem persönlichen Stundenplan stand täglich mindestens eine Stunde Deutschunterricht bei Mater Georgine. Am Ende der Stunde sagte sie immer: „Hamas?“ Vergeblich suchte ich im Wörterbuch nach der Bedeutung des Wortes. Schließlich fragte ich sie nach der Bedeutung des rätselhaften Ausdrucks. Sie lachte und erklärte mir, dass es eine bairische Redewendung sei, die in keinem Lexikon zu finden ist:

„Hamas“ bedeutet: Haben wir es (verstanden)?

Da Mater Georgine sehr darauf bedacht war, dass die Novizinnen mit mir „hochdeutsch“ und nicht im Dialekt sprachen, war das für mich besonders lustig. Oft brachte ich andere mit kleinen Verwechslungen zum Lachen, z.B. als ich einen Topfdeckel als „Dackel“ (= eine Hunderasse) bezeichnete. Schwester Eugenie, die als Hauswirtschaftslehrerin Dienst in der Küche hatte, machte mir aus Lebkuchen einen „Dackel“ und gab zum Vergleich dazu einen Deckel aus der Küche.

Einmal sagte ich: Ich habe Mater Provinzialoberin „gebadet“.

Staunen, Gelächter! Wie peinlich! Ich hatte Mater Provinzialoberin um etwas „gebeten“.

Wie schwer ist doch die deutsche Grammatik!

baden        badete       gebadet

bitten         bat              gebeten

Oft suchte ich nach einem Ausdruck in einer bestimmten Situation und konnte meinen Wunsch nicht sprachlich verdeutlichen. So musste ich mich auf andere Weise ausdrücken. So trat ich einmal einer Mitschwester leicht auf den Schuh. Sie reagierte etwas irritiert. Da fragte ich sie: „Was muss ich jetzt sagen?“ Da sagte sie lachend: „Entschuldigung“!

Das war der Ausdruck, nach dem ich gesucht hatte.

Das Vorbild der einzelnen Schwestern

In den Unterweisungen lernte ich unsere Gründerin Maria Ward kennen und die Spiritualität unserer ignatianisch geprägten Gemeinschaft. 

Dazu kam im täglichen Beisammensein in der Noviziatsgemeinschaft das Vorbild einzelner Schwestern. Ich spürte ihre Glaubenstiefe, ihr Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, im Geiste der Ordensregeln zu leben.

Wir übten uns im liebevollen Umgang, in gegenseitiger Rücksicht und im Verständis füreinander, wenn es Probleme und kleine Reibereien gab.

Einige hatten gute Kenntnisse in der Bibel und der Glaubenslehre, worum ich sie beneidete. Aber das machte mich nicht mutlos, sondern ermutigte mich zu intensivem Studium. Ich gewann Freude daran. Gott munterte mich auf, weiter zu gehen.

So wollte ich mich bereit machen für den Ruf des Meisters:

„Wirf die Netze aus!“

Darum bat ich um die Zulassung zur Erstprofess.

* Auf diesen etwas altmodischen Begriff bestand Sr. Elisabeth beim Verfassen des Textes. 

Hintergrund:

1964 gingen mit Sr. Elisabeth Pak drei weitere koreanische Schwestern, die ihre Ordensausbildung in der Mitteleuropäischen Provinz absolviert hatten, zurück in ihre Heimat, um dort die erste Niederlassung in Korea zu gründen.  wurde von Nymphenburg aus die erste Niederlassung in Korea gegründet, das erste Haus wurde im gleichen Jahr in Seoul eröffnet. Zwei Jahre später wurden eine Grundschule und eine weiterführende Schule in Dae-Jeon eröffnet. Die Entwicklung der CJ in Südkorea verlief rasant: Bis 1973 war die Mission und der Orden so stark gewachsen, dass eine eigene Koreanische Provinz mit einer koreanischen Provinzoberin gegründet wurde. Heute ist die koreanische Provinz eine der größten innerhalb der CJ. Die Gemeinschaften sind heute über ganz Südkorea verteilt. Derzeit hat die Provinz über 230 Mitglieder, die in vielen Bereichen tätig sind: In Bildung, Krankenpflege, Seelsorge und geistliche Begleitung. 2007 hat die Koreanische Provinz zudem ein Studentinnen-Wohnheim in der Mongolei eröffnet, 2013 in Manila eine Gemeinschaft für Studentinnen und 2020 eine weitere Gemeinschaft auf den Philippinen gegründet. Seit 2019 gibt es auch eine apostolische Präsenz der koreanischen Schwestern in Myanmar.

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