Gerufen und Gesandt - Teil 5: Einkleidung
2007 wurde Sr. Elisabeth Pak eingeladen, um ihr goldenes Ordensjubiläum an dem Ort zu feiern, wo ihre Ordenszugehörigkeit ihren Anfang genommen hatte: Nach München. Zu diesem Anlass verfasste sie eine Erinnerung an die Jahre ihrer Ausbildung in Nymphenburger Noviziat. Mit Hilfe ihrer ehemaligen Mit-Novizin Sr. Renata Lauber CJ brachte sie den Text im Deutschen ins Reine und las ihn den Mitschwestern bei der Feier vor.
Zum Anlasss des 70. Jahrestags ihrer Ankunft in München veröffentlichen wir dieses außergewöhnliche Zeitdokument noch einmal in mehreren Teilen.
Teil 5: Die Einkleidung

Einkleidung am 24. 08. 1957
Vor der Einkleidung hatten wir eine Woche Exerzitien.
Der 24. August war für mich ein Tag freudigen Dankens. Gott hat die kleine Koreanerin nach Deutschland geführt; er war liebevoll um mich besorgt. Er lässt mich diesen ehrenvollen Tag erleben.
Die Feier fand in der Hauskapelle statt. Unter feierlichem Harmoniumspiel zogen wir neun Postulantinnen ein, in weißen Brautkleidern und weißen Schleiern. Der Altar war schön geschmückt mit Blumen und brennenden Kerzen. Viele Gäste, vor allem die Angehörigen der anderen Postulantinnen sowie viele Schwestern, auch aus anderen Häusern, füllten den Raum.
Ich war überwältigt von dem Jubel und dem Dank, die mein Herz erfüllten:
„Ich schenke Dir mein ganzes Leben. Auch wenn ich die einzige koreanische Schwester bleibe; Dir gehöre ich…“
Obwohl ich diesen Freudentag ohne meine Eltern feiern musste, fühlte ich mich nicht traurig. Mein damals in Frankreich studierender Cousin war hergereist und vertrat meine Familie. Außerdem waren zehn koreanische Studenten und Studentinnen eingeladen worden. Sie trugen unsere farbenprächtige Nationaltracht und verbrachten den Tag mit mir.
Die Verbindung der Schwestern zu Onkel Thomas
Seit ich in Nymphenburg war, beschäftigte mich die Frage, woher die Schwestern den Namen meines Onkels Thomas kannten, weil er gelegentlich erwähnt wurde. Es hatten mir lange die Worte gefehlt, nach dem Zusammenhang zu fragen. Im Noviziat erzählte mir Schwester Renata Lauber, die schon im zweiten Noviziatsjahr war, dass sie meinen Onkel als Kandidatin im Herbst 1955 erlebt hatte und sehr beeindruckt war.
Onkel Thomas war Jesuit und studierte in Rom. Einmal war er in den Semesterferien in Deutschland, um die Sprache zu lernen. Bei einem Besuch in Nymphenburg bot er sich an, über Korea zu erzählen. Es waren alle Schwestern und Kandidatinnen eingeladen.
M. Renata erinnert sich: „Pater Thomas konnte nicht sehr gut deutsch sprechen, aber er hatte eine so lebendige und fröhliche Art zu erzählen und sich auch mit Gesten verständlich zu machen, dass man ihm gern zuhörte und ihn auch verstand. Er demonstrierte uns seine ersten Eindrücke, als er in Paris aus dem Flugzeug gestiegen war und die für ihn seltsame europäische Begrüßung sah mit Umarmung und Küssen. Um uns vorzuführen, wie man in Korea z.B. nach längerer Abwesenheit die Eltern begrüßt, zog er die Schuhe aus, war im Nu auf dem großen Tisch, der vorne stand, und zeigte uns die schweigende ehrfürchtige Verneigung bis zum Boden, die man den Eltern entgegenbringt. Es war eine neue Welt für uns.
Eine neue Welt für die deutschen Schwestern
Zum Schluss bat er Mater Provinzialoberin M. Tarasia, Schwestern nach Korea zu senden und Schulen zu gründen. Sie antwortete, dass es leider zu wenige Schwestern gäbe für eine solche Neugründung. In Deutschland selbst bräuchte man noch viel mehr Kräfte, um die Aufgaben übernehmen zu können, die nach dem 2. Weltkrieg dringend notwendig waren.
Diese Antwort machte ihn traurig.
Aber nach dem Vortrag kam er zu ihr und fragte sie, ob sie bereit wäre, junge koreanische Frauen für das Ordensleben in der Spiritualität des Instituts auszubilden, damit sie später in Korea arbeiten können. Er wolle versuchen, Kandidatinnen zu schicken.
Diese Frage schien sie zu überraschen. Sie sagte lächelnd „Ja“, aber ich hatte den Eindruck, dass sie eine solche Möglichkeit für ausgeschlossen hielt. Es lebten damals wenige Ausländer in Deutschland, allenfalls einige Studenten. Ich hatte noch nie gehört, dass ein Kloster ausländische Schwestern ausbildete. Darum war die Überraschung groß, als wir im Frühjahr 1956 erfuhren: die Nichte von Pater Thomas sei bereit zu kommen.“

Hintergrund:
1964 gingen mit Sr. Elisabeth Pak drei weitere koreanische Schwestern, die ihre Ordensausbildung in der Mitteleuropäischen Provinz absolviert hatten, zurück in ihre Heimat, um dort die erste Niederlassung in Korea zu gründen. wurde von Nymphenburg aus die erste Niederlassung in Korea gegründet, das erste Haus wurde im gleichen Jahr in Seoul eröffnet. Zwei Jahre später wurden eine Grundschule und eine weiterführende Schule in Dae-Jeon eröffnet. Die Entwicklung der CJ in Südkorea verlief rasant: Bis 1973 war die Mission und der Orden so stark gewachsen, dass eine eigene Koreanische Provinz mit einer koreanischen Provinzoberin gegründet wurde. Heute ist die koreanische Provinz eine der größten innerhalb der CJ. Die Gemeinschaften sind heute über ganz Südkorea verteilt. Derzeit hat die Provinz über 230 Mitglieder, die in vielen Bereichen tätig sind: In Bildung, Krankenpflege, Seelsorge und geistliche Begleitung. 2007 hat die Koreanische Provinz zudem ein Studentinnen-Wohnheim in der Mongolei eröffnet, 2013 in Manila eine Gemeinschaft für Studentinnen und 2020 eine weitere Gemeinschaft auf den Philippinen gegründet. Seit 2019 gibt es auch eine apostolische Präsenz der koreanischen Schwestern in Myanmar.





