Das Pflegeheim in Neuburg

An der Luisenhöhe in Neuburg befindet sich ein großes Areal, dem man ansieht, dass es schon lange gepflegt und kultiviert wird: Mehr als einen Hektar Garten in unmittelbarer Nähe der Donau bearbeiten die Schwestern der Congregatio Jesu schon seit bald 200 Jahren.
So lange sind Schwestern in Neuburg an der Donau zu Hause. 1847 bekamen die „Englischen“ die Genehmigung für die Erziehung der weiblichen Jugend der Stadt durch die königlich-bayerische Regierung und das Ordinariat in Augsburg. Im Laufe dieser Jahrzehnte betrieben die Schwestern mehrere Schulen, einen Kindergarten und ein Pensionat. Das Institut und die Schule befanden sich innerhalb der Stadtmauern im ehemaligen Benediktinerinnen Kloster das noch heute das Stadtbild prägt. An der Luisenhöhe war das Ökonomat, der landwirtschaftliche Betrieb der Schwestern, in dem sie damals Obst und Gemüse anbauten und Nutztiere hielten. Der Bauernhof versorgte damals die Schwestern und die Internen.

Vor 37 Jahren errichteten die Schwestern dann auf diesem Gelände an der Luisenhöhe das weitläufige „Haus der Begegnung“ - ein Multi-Funktions-Haus, das viele verschiedene Bedürfnisse erfüllt: In einem Trakt befinden sich die Zimmer der Schwestern, der Speiseraum und weitere Wohnräume, in einem weiteren Trakt finden Gäste und Exerzitanten ein Zuhause auf Zeit in Gästezimmern mit Blick auf die nahe Altstadt und die Donau. In der großen runden Hauskapelle, die als Mittelpunkt zwei Hausflügel verbindet, wird täglich ein Gottesdienst gefeiert.
Die Schwestern sind große Beterinnen
Im zweiten Stock des Hauses an der Luisenhöhe befindet sich die einzige eigene Pflegestation der Schwestern der Congregatio Jesu. Im Moment leben elf Schwestern im Pflegeheim und zwölf in der Kommunität darunter. Eine hermetische Trennung gibt es dabei nicht: Schwestern, die keine 24-Stunden-Pflege nötig haben, bekommen dennoch Hilfe vom Pflegepersonal bei Arzt-Besuchen oder beim An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe. Wenn zweimal in der Woche Bewegungs- und Gedächtnis-Training auf dem Pflegestock stattfinden, trifft sich die gesamte Hausgemeinschaft und trainiert zusammen. Und umgekehrt gibt es auch einige Schwestern, die im Pflegetrakt leben, aber gern zum Mittagessen in den Speisesaal der Kommunität kommen. Der Kontakt ist im Alltag eng – und auch die Spiritualität wird von den Schwestern gemeinsam gelebt.
Diese Spiritualität, die sie ein Leben lang gelebt haben, üben die Schwestern selbstverständlich auch im Pflegeheim weiter aus. „Das sind große Beterinnen“, erzählt Sr. Barbara Kusche CJ, die Oberin in Neuburg, „Sie sind ganz oft in der Kapelle, wo sie entweder für sich oder in der Gemeinschaft beten.“ In diesem Gedanken wurde das „Haus der Begegnung“ einst errichtet: Damit die Schwestern Gebetsanlässe haben. Das solle man nicht als Beschäftigungstherapie für Schwestern im Alter missverstehen, so Sr. Barbara. Sondern in diesen Gebeten für die Menschen, die zu Gast sind, kommt der innere Auftrag der Schwestern in die Realität. Und die Gäste spüren diese spirituelle Begleitung der Schwestern sehr stark, so erfährt es Sr. Barbara immer wieder von den Gästen.
Die neuen Haustiere sind exotischer als früher
Das Haus in Neuburg hat viele verschiedene Funktionen – und dadurch auch viele Begegnungsmöglichkeiten für die Schwestern. Nicht zuletzt im Garten. Wo früher Kühe, Schweine und Hühner gehalten wurden, sind heute etwas exotischere Tiere zuhause: Die drei Alpakas Ixi, Xerus und Gucci. Sie gehören seit neun Jahren zur Hausgemeinschaft der CJ in Neuburg und bewohnen ein großes Freigehege mit Stall im weitläufigen Garten. Viele der älteren Schwestern, die in der Pflegestation im zweiten Stock leben, erinnert die Beschäftigung mit den Tieren an ihre Kindheit und Jugend, wo sie möglicherweise selbst Tiere versorgt haben und so an vergessen geglaubte Handlungsabläufe erinnert werden.

Und selbst, wer nicht mehr selbst mit Hand anlegen kann: Schon der Anblick dieser sanften Tiere mit den wunderschönen Augen wirkt beruhigend. Alpakas sind neugierig, geduldig und sensibel und lassen sich gerne auf Menschen ein.
Die Schwestern, die auf der Pflegestation betreut werden, können mit dem Rollator oder dem Rollstuhl in den oberen Garten fahren und von dort zum Stall hinübersehen.
Auch der Kontakt in den Ort ist weiterhin eng: Auch wenn sie nicht mehr im Herzen von Neuburg leben, sind die Schwestern der CJ immer noch präsent und das „Haus der Begegnung“ wird seinem Namen auch in dieser Hinsicht gerecht: Jeden Dienstagabend feiert ein Priester der Gemeinde hier den Pfarrei Gottesdienst, an dem selbstverständlich auch die Schwestern teilnehmen. „Wir wissen nicht nur umeinander, wir fragen auch, wenn jemand „fehlt“ und beten füreinander“, ergänzt Sr. Barbara. Und das gilt für alle Bewohnerinnen und Bewohner im "Haus der Begegnung", sei es auf Zeit, in der Kommunität oder auf der Pflegestation.
Text: Christina Waechter, Bilder: Christina Waechter, CJ





