Gerufen und Gesandt - Teil 8: Ewige Profess und Rückkehr nach Korea

2007 wurde Sr. Elisabeth Pak  eingeladen, um ihr goldenes Ordensjubiläum an dem Ort zu feiern, wo ihre Ordenszugehörigkeit ihren Anfang genommen hatte: Nach München. Zu diesem Anlass verfasste sie eine Erinnerung an die Jahre ihrer Ausbildung in Nymphenburger Noviziat. Mit Hilfe ihrer ehemaligen Mit-Novizin Sr. Renata Lauber CJ brachte sie den Text im Deutschen ins Reine und las ihn den Mitschwestern bei der Feier vor.

Zum Anlasss des 70. Jahrestags ihrer Ankunft in München veröffentlichen wir dieses außergewöhnliche Zeitdokument noch einmal in mehreren Teilen.

Teil 8 und Schluss: Ewige Profess und Rückkehr nach Korea

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Sr. Elisabeth Pak legte in der Institutskirche in Nymphenburg ihre Ewige Profess ab. © Archiv der Congregatio Jesu - Mitteleuropäische Provinz, München

Vorbereitung auf die Ewige Profess und Ablegung am 31. Mai 1964

Durch die Verschiebung des Termins um ein Jahr ermöglichten die Vorgesetzten, dass ich ein Jahr früher als üblich die Gelübde auf Lebenszeit – die Ewige Profess – ablegen durfte. Mater Provinzoberin M. Tarasia übernahm selbst meine Vorbereitung, was für mich ein großes Geschenk war.

Sie führte mich auch ein in meine künftige Aufgabe als Oberin und Novizenmeisterin in Korea. Viele Fragen gab es zu klären – kirchenrechtliche, menschliche, organisatorische, ordenseigene, geistliche …

Ich bin sehr dankbar für diese verlängerte Zeit der Vorbereitung, in der ich vieles lernen und tiefer verstehen konnte.

 

Aufbruch nach Korea

06.04.1964

Verladung der zahlreichen Kisten für die Schiffsreise.

 Wieviel Arbeit steckte in diesem Gepäck! Es musste nicht nur alles sorgfältig und sortiert eingepackt werden; der Zoll verlangte auch genaue Listen über den Inhalt jeder Kiste. Dann waren die Gepäckstücke sicher zu verschließen und mit Formularen zu versehen.

Für den wertvollen Inhalt hatten schon jahrelang viele fleißige Hände in den verschiedenen Institutshäusern gearbeitet. In den Schulen und Pfarreien waren Verlosungen veranstaltet worden und die unzähligen kleinen und großen Dinge verkauft worden, die Schwestern, Schülerinnen, Eltern und Freunde gebastelt, gestrickt, gehäkelt, getöpfert … hatten. Der Erlös war für Korea.

 

29. April 1964

Audienz bei Kardinal Döpfner für alle, die nach Korea gesandt wurden. Er segnete uns und unsere künftige Arbeit.

 

03. Mai 1964

Abendliche Aussendungsfeier in der neuen Nymphenburger Kirche unter Anteilnahme der ganzen Nymphenburger Gemeinde.

Wir erhielten das Missionskreuz.

M. Anna, M. Virginie, M. Annuntiata, M. Christina, M. Gemma und M. Ignatia, fuhren mit dem Schiff von Genua aus, ich sollte mit Mater Provinzialoberin per Flugzeug nachkommen.

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Die Missionarinnen vor der Schule. Sr. Elisabeth Pak ist in der vorderen Reihe die zweite von rechts. © Archiv der Congregatio Jesu - Mitteleuropäische Provinz, München

 

04. Mai 1964

Abreise nach Genua über Rom.

Mater Georgine und ich begleiteten die Ausreisenden nach Genua.

Zur großen Freude aller „Missionarinnen“ durften wir auf dem Weg nach Genua drei Tage im römischen Haus des Generalats verbringen und die großen Kirchen Roms besuchen.

Diese Tage waren Lichtpunkte, die den Abschied überstrahlten.

 

09. Mai 1964

Die Mitschwestern schifften sich auf der „Viktoria“ ein. Ihre Reise dauerte 4 Wochen. Ihr Ziel war Hong-Kong.

Ich kehrte mit Mater Georgine nach München zurück.

 

31. Mai 1964

An der Feier meiner Ewigprofess – kurz vor der Abreise – nahmen viele Gäste  teil: Mitschwestern, Schülerinnen, Lehrkräfte und Wohltäter unserer künftigen Mission.

 

02. Juni 1964

Mein Abschied von Nymphenburg

Vor 8 Jahren hatte ich das Haus als Fremde betreten. Jetzt verließ ich es wie meine geistige Heimat. Der Abschied von lieb gewordenen Menschen und von einem Lebensraum, der mir viel bedeutete, fiel mir schwer.

Mater Provinzoberin M. Tarasia und ich flogen zunächst nach Rom. Dort trafen wir die Generalassistentin M. Agathe Bruckner, die als Vertreterin des Generalats mit zur Neugründung nach Korea flog.  

Unser Ziel war zunächst Hong-Kong, wo wir unsere Mitschwestern erwarteten.

 

05. Juni 1964

An diesem Tag legte die „Viktoria“ an, und unsere Schwestern konnten sich nach der langen Reise im Hafen von Hong-Kong „ausschiffen“. Wir begrüßten sie am Hafen.

 

 

Ankunft der Schwestern in Korea (Sr. Elisabeth ist die vierte von links).
© Archiv der Congregatio Jesu - Mitteleuropäische Provinz

09. Juni 1964

Gemeinsam flogen wir nach Korea. Nach einem 4-stündigen Nachtflug landeten wir am 10. Juni 1964 frühmorgens um 6.10 Uhr am Flugplatz Kim-Po.

Am Flugplatz erwarteten uns viele Angehörige und Freunde, vor allem die Familien und Verwandten der koreanischen Schwestern. Auch Onkel Francis und Onkel Thomas SJ, denen wir viel verdankten und die uns auch weiterhin mit großem Wohlwollen zur Seite standen, und mehrere Studentinnen, die bei uns eintreten wollten, waren gekommen.

Wir wurden mit einem Blumenstrauß und mit „Herzlich willkommen“ begrüßt.

Die gegenseitige Freude war groß.

 

Sr. Elisabeths Arbeitsbeginn als Oberin in Seoul.
© Archiv der Congregatio Jesu - Mitteleuropäische Provinz

Vor 8 Jahren hatte ich Korea von diesem Flugplatz aus verlassen, um Gott vermeintlich in der Stille eines Klosters im Gebet zu suchen und zu finden.

Er hatte andere Pläne und führte mich seine Wege in die Weite, um ihn nach dem Motto des Hl. Ignatius  „in allen Dingen zu suchen und zu finden“ – „contemplatio in actione“

Er bedient sich schwacher Menschen, um sein Werk auszuführen.

Er, der Verantwortung und Lasten auferlegt, hilft auch tragen.

 

„Gottes Kraft geht alle Wege mit.“

P. Alfred Delp SJ

 

Sr. Elisabeth Pak CJ

 

Hintergrund:

1964 gingen mit Sr. Elisabeth Pak drei weitere koreanische Schwestern, die ihre Ordensausbildung in der Mitteleuropäischen Provinz absolviert hatten, zurück in ihre Heimat, um dort die erste Niederlassung in Korea zu gründen.  wurde von Nymphenburg aus die erste Niederlassung in Korea gegründet, das erste Haus wurde im gleichen Jahr in Seoul eröffnet. Zwei Jahre später wurden eine Grundschule und eine weiterführende Schule in Dae-Jeon eröffnet. Die Entwicklung der CJ in Südkorea verlief rasant: Bis 1973 war die Mission und der Orden so stark gewachsen, dass eine eigene Koreanische Provinz mit einer koreanischen Provinzoberin gegründet wurde. Heute ist die koreanische Provinz eine der größten innerhalb der CJ. Die Gemeinschaften sind heute über ganz Südkorea verteilt. Derzeit hat die Provinz über 230 Mitglieder, die in vielen Bereichen tätig sind: In Bildung, Krankenpflege, Seelsorge und geistliche Begleitung. 2007 hat die Koreanische Provinz zudem ein Studentinnen-Wohnheim in der Mongolei eröffnet, 2013 in Manila eine Gemeinschaft für Studentinnen und 2020 eine weitere Gemeinschaft auf den Philippinen gegründet. Seit 2019 gibt es auch eine apostolische Präsenz der koreanischen Schwestern in Myanmar.

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