Was ist Hoffnung?
Diese Frage stellten wir in diesem Jahr der ältesten und jüngsten Schwester der Mitteleuropäischen Provinz der Congregatio Jesu. Sr. M. Christofera Lauter CJ ist im Oktober 100 Jahre geworden und hat ein langes und aufregendes Leben hinter sich. Für Sr. Salome Fränzle dagegen fängt das Leben, zumindest das als Ordensschwester, gerade erst an. Sie befindet sich derzeit im Noviziat in Wien. Hier erzählen sie, was Hoffnung für sie ganz persönlich bedeutet.

"Was ist Hoffnung? Etwas, was ich mir für die Zukunft wünsche: Etwas für mich, meine Familie, für unsere Kirche, für unsere Kongregation, für Freunde, für das Land, in dem ich wohne, für die Mitmenschen, die dafür sorgen oder gesorgt haben, dass ich jeden Tag etwas zu essen habe, ein Bett, in dem ich gut schlafe, eine Kapelle mit dem Heiland, zu dem ich jeden Tag gehen kann mit all meinen Anliegen für unser Volk, für die ganze Menschheitsfamilie. Alles gehört zusammen, alles liegt „ Gottes“ lieben Händen.
Wir danken dem Herrn, der uns so geführt hat, dass wir ihn kennenlernen. Das war für mich keine Selbstverständlichkeit.
Drei Jahre hat es nur gedauert, bis ich „Ja“ gesagt habe: Ja, ich glaube! Ja, ich komme! Und jetzt sind es ganze 75 Jahre! Und ich habe keine Stunde davon bereut – ganz im Gegenteil. Ich danke für die Zeit und für alle Gnade, die er mir gegeben hat oder mir geschenkt hat; denn da ist ein Unterschied zwischen geben und schenken. Und dann noch einmal drei Jahre bis die Kirche auch zu mir „Ja“ gesagt hat; denn ich bin durch die Gnade Gottes eine Konvertitin und kann nur „Danke“ sagen, danke für jede Erleuchtung, danke für alle Wege, die „Er“ mich führte.
Aufgrund all meiner Erfahrungen habe ich große Hoffnung, dass Gott uns kennt und wir „Ihm“ folgen und „Er“ uns in seiner großen Barmherzigkeit führt.
Alles Gute und Gottes Segen für das ganze Leben"
M. Christofera CJ ist im Oktober 100 Jahre alt geworden.

“Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.” Dieser Satz des tschechischen Bürgerrechtlers Vaclav Havel fasst gut zusammen, was Hoffnung für mich bedeutet. Aus dieser Haltung heraus möchte ich handeln, mich für andere und gemeinsam mit ihnen für ein gutes Leben für alle einsetzen, nötigenfalls Unrecht widersprechen. Das ist manchmal harte Arbeit.
Eine kleine Episode kam mir beim Nachdenken darüber immer wieder in den Sinn: Vor ein paar Jahren organisierte ich in Sachsen eine kleine Spontankundgebung gegen den Auftritt eines rechtsextremen Politikers mit. Wir waren zu fünft gegen hunderte Rechte, und ich kann nicht sagen, dass dieser Nachmittag ein besonderes Vergnügen gewesen wäre. Aber am Ende gab es eine Begegnung mit einem Jungen, der mit seinen Eltern von der rechten Demonstration kam. Trotz einer abfälligen Bemerkung seiner Mutter reagierte er so ganz anders als erwartet auf uns, einfach, positiv und zugewandt. Und diese Begegnung war das, was mir von diesem Nachmittag dauerhaft in Erinnerung blieb.
So geht meine Erfahrung mit der Hoffnung noch einen Schritt weiter: ich glaube, da, wo ich wirklich aus der Hoffnung lebe, bekomme ich immer noch mehr Hoffnung geschenkt. Und wer, wenn nicht wir als Ordensleute, sollten aus der Hoffnung leben?!"





