England: 1585–1606

England: 1585–1606

Mary Ward kam am 23. Januar 1585 in Yorkshire zur Welt. Sie war das älteste von sieben Kindern.

Der Vater, der eigene Güter bewirtschaftete und zugleich als Verwalter eines Grafen tätig war, arbeitete sich zum „Gentleman“ hoch. Durch die Familie der Mutter war Mary mit vielen katholischen Familien verwandt, unter anderem auch mit drei der Pulververschwörer. Das waren radikale Katholiken, die im Herbst 1605 das Parlament mitsamt König Jakob I. in die Luft sprengen wollten.

Im Alter von fünf wurde Mary zur Großmutter gebracht, wo sie nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch Latein lernen konnte. Die Großmutter war wiederholt wegen ihrer Glaubensüberzeugung im Gefängnis.

Nach dem Tod des Großvaters kehrte Mary als Zehnjährige in das Elternhaus zurück. Am Lichtmesstag 1595 geriet sie zusammen mit zwei ihrer Schwestern bei einem Brand in Lebensgefahr. Der Vater, der sie aus dem brennenden Haus retten konnte, fand die drei beim Beten.

Bald musste sie sich mit einer Serie von Heiratsanträgen auseinandersetzen. Mit dreizehn konnte sich Mary im Haus einer Tante auf den Empfang der Erstkommunion vorbereiten. Mit fünfzehn Jahren erfuhr sie bei anderen Verwandten aus den Erzählungen einer Magd vom Klosterleben. Sie fühlte sich angezogen. Aber die Klöster in England waren seit mehr als fünfzig Jahren zerstört.

Ihr Wunsch, die Heimat zu verlassen, um in den strengsten Orden einzutreten, wurde von der Familie abgelehnt. Man wollte sie davon überzeugen, dass es Gott wohlgefälliger sei, in England eine Familie zu gründen und dadurch den Glauben weiterzugeben. Erst im Frühsommer 1606, als nach der Entdeckung der Pulververschwörung eine neue Verfolgungswelle über die Katholiken hereingebrochen war, konnte sie unter fremdem Namen ihre Heimat verlassen. 

Katholisch sein in England bedeutete in der zweiten Hälfte der Regierung Königin Elisabeths I., schweren Strafgesetzen unterworfen zu sein.

Die Feier der katholischen Messe war bei Strafe verboten. Wer nicht regelmäßig am anglikanischen Gottesdienst teilnahm, musste monatlich 20 Pfund Sterling bezahlen oder mit der Beschlagnahmung von zwei Dritteln seines Besitzes rechnen. Auf dem Festland zum Priester geweiht worden und daraufhin nach England zurückgekehrt zu sein, erfüllte den Tatbestand des Hochverrats und wurde mit dem Tod am Galgen geahndet. Gefangene Priester sollten unter der Folter dazu gebracht werden, die Namen der Katholiken zu verraten, die sie beherbergt und unterstützt hatten. Auch diesen drohte Gefängnishaft oder Tod. Bis heute gibt es in manchen Schlössern und Manorhäusern Englands „Priesterlöcher“ zu sehen, Verstecke hinter Wandverkleidungen, unter Treppen oder in falschen Kaminen.