Lüttich, Köln, Trier: 1616–1621

Lüttich, Köln, Trier: 1616–1621   

Durch die Belobigung ermutigt begann Ende 1616 eine Gruppe in Lüttich mit dem Unterrichten englischer Mädchen, das sie bald auch für einheimische Bürgertöchter öffneten. Unterstützung kam vom Rektor des Noviziats der englischen Jesuiten, P. John Gerard alias Tomson, der von 1588 bis 1606 in England tätig gewesen und durch seine Flucht aus dem Tower berühmt geworden war. Andere Jesuiten kritisierten und bekämpften hingegen die Frauengemeinschaft.

Wiederholt hielt sich Mary Ward in England auf, um in der Seelsorge mitzuhelfen und die Entsendung von Gefährtinnen dorthin vorzubereiten. Diese konnten nicht in Gemeinschaft leben, sondern kamen bei Verwandten oder Freunden unter, wo sie Kinder und Erwachsene im Glauben unterrichteten, Kranke betreuten, Menschen zur Kirche zurückführten. Es entstanden auch Gruppen von Frauen, die die Schwestern unterstützten und an ihrer geistlichen Ausrichtung teil hatten. Einige kamen deswegen sogar ins Gefängnis.

1619 gab es in der Gruppe in Lüttich eine Krise, da einige Schwestern die Gemeinschaft dem jeweiligen Ortsbischof zuordnen wollten. Mary Ward dagegen wollte sie direkt dem Papst unterstellen, um eine Tätigkeit über die Diözesangrenzen hinaus zu ermöglichen.

Sie wagte auch weitere Gründungen in Köln und in Trier. Zunehmend zeigten sich Schwierigkeiten finanzieller Art, da die Eltern neuer Mitglieder der noch unbestätigten Gemeinschaft die Mitgiften nicht auszahlen wollten. Deswegen brach Mary Ward im Oktober 1621 nach Rom auf, um dort die päpstliche Bestätigung zu erbitten.

Mary Ward legte die ca. 2000 Kilometer zu Fuß zurück, zusammen mit fünf Gefährtinnen, einem Priester und einem weiteren männlichen Begleiter. Sie gönnten sich unterwegs nur drei Ruhetage und kamen am Heiligen Abend in Rom an. Bereits am 28. Dezember erhielt Mary Ward eine Audienz bei Papst Gregor XV.

 

 „Keine Verzückungen – aber zu allen Zeiten eine sehr innige Vereinigung mit Gott;

keine Offenbarungen – aber eine wahre Erkenntnis Gottes und ihrer selbst;

keine Visionen – aber sie hatte Gott immer vor Augen ...“

 

Diese Worte über die geistliche Prägung Barbara Wards, der Schwester und Mitschwester, können für die Spiritualität Mary Wards stehen.

Sie fand zu ihr in fünf Schritten:

(1) Mich immer wieder erinnern, dass Gott da ist.

(2) Was ich habe, will ich ihm geben.

(3) Was mir fehlt, will ich in ihm finden.

(4) Alles will ich zu ihm zurückbringen, auf Gott beziehen.