München, Wien, Preßburg: 1627–1628

München, Wien, Preßburg: 1627–1628  

Vom bayerischen Kurfürsten Maximilian und seiner Gattin wurde Mary Ward sehr gut aufgenommen. Sie stellten Haus, Hausrat und den Unterhalt für zehn Schwestern bereit. Anfang Mai 1627 begannen die „Müetter und Schwestern di Jesu“ mit dem Elementarunterricht in der Tagesschule und mit dem Unterricht in Fremdsprachen, Musik und Handarbeit in der Internatsschule. Religionslehre stand für alle Schülerinnen an erster Stelle.

Bereits im Juni reiste Mary nach Wien, wo sie unter dem Schutz Kaiser Ferdinands II. ebenfalls eine Schule eröffnete. Die Schule blühte. Sie hatte im September 1628 schon 465 Schülerinnen.

In Wien fühlte sich die kirchliche Behörde übergangen. Kardinal Klesl beschwerte sich bei den römischen Behörden über die Eigenmächtigkeit dieser Frauen.

Mary Ward war inzwischen nach Ungarn weitergereist. Sie hatte eine Einladung zur Gründung in Preßburg (heute Bratislava, Slowakei) erhalten. Auch nach Prag wurde Mary Ward gerufen. Hier standen sich jedoch die staatliche und die kirchliche Behörde feindlich gegenüber. Es kam nicht zur Schulgründung.

Dass es der in Italien verbotenen Gemeinschaft gelungen war, sich unter dem mächtigen Schutz katholischer Fürsten weiter zu entfalten, beunruhigte Papst Urban VIII., einen Gegner des Kaisers. Am 7. Juli 1628 ließ er die Aufhebung aller Niederlassungen beschließen. Benachrichtigt wurden die Nuntiaturen in Wien, Köln, Brüssel und Neapel, nicht aber die Betroffenen selbst.

Mary Ward, die längst nicht mehr gesund war, reiste auf Rat des Wiener Nuntius nach Rom, um weiter zu verhandeln. Dass die Aufhebung beschlossen sei, teilte man ihr auch dort nicht mit.

 

Mädchenerziehung war das Gebot der Stunde, dem sich viele Frauengemeinschaften des 17. Jahrhunderts widmeten. Für Mary Ward war das Ziel klar: Mädchen sollten in die Lage versetzt werden, ihren Geist zu schulen, ihren Charakter zu bilden und Großes für Kirche und Gesellschaft zu leisten. Deshalb antwortete sie auf die Frage, warum an ihren Schulen auch Latein unterrichtet werde, solche Frauen könnten der Kirche mehr nützen.

Die Unterrichtsmethode wurde, soweit es um mehr als den Elementarunterricht ging, von den Jesuitengymnasien übernommen. Dazu gehörte ein Tutorensystem ebenso wie das Theaterspielen, das das Selbstbewusstsein der Mädchen förderte. Die Herzensbildung nahm breiten Raum ein und es wurde sehr großer Wert darauf gelegt, dass die jungen Frauen für sich die Lebensweise finden konnten, zu der Gott sie berufen wollte, in der Familie oder im Ordensleben.