Rom, Neapel, Perugia: 1622–1626

Rom, Neapel, Perugia: 1622–1626

Der Papst empfing die Engländerinnen wohlwollend. Zur Bitte um Bestätigung der Gemeinschaft erklärte er, er wolle dies gern gewähren, wenn sie dem Kirchenrecht entspräche. Zu den rein rechtlichen Schwierigkeiten kamen Beschwerdeschriften aus England, die zum Teil den Charakter übler Verleumdungen annahmen und bereite Ohren fanden. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, was die kleine Schar Engländerinnen in große Armut brachte.

Der drohenden Ablehnung durch die Kirche suchte Mary Ward mit Kompromissvorschlägen zu begegnen: Die Klausurfreiheit sollte für England, Belgien und Deutschland, für eine begrenzte Zeit, für eine bestimmte Mitgliederzahl gelten. Mitte 1622 erbat sie eine Aufenthaltsbewilligung in der Stadt Rom und errichtete eine Mädchenschule, die vor allem von den ärmeren Schichten gern in Anspruch genommen wurde. Mitte 1623 gründete sie eine recht erfolgreiche Niederlassung in Neapel, Anfang 1624 eine nur kurzfristige in Perugia.

Im Oktober 1624 legte Mary Ward dem neuen Papst Urban VIII. ihr Anliegen vor. Der setzte vier Kardinäle zur Prüfung ein. Diese beschlossen im April 1625 die Aufhebung der italienischen Niederlassungen. In Neapel konnte man noch eine Weile weitermachen, da die Stadt zum Königreich Spanien gehörte. In Rom löste die Schließung der Schule einen Protestzug der Mütter aus.

Im Herbst 1626 wandte sich Mary Ward wieder nach Norden und traf Anfang Januar 1627 in München ein.

Die Klausurfrage war für viele Frauengemeinschaften des 17. Jahrhunderts ein Problem. Im Jahrhundert zuvor hatte das Konzil von Trient die Klausurbestimmungen für Frauenklöster eingeschärft. Die Nonnen dürfen weder Besuch bei sich empfangen noch ihr Kloster verlassen, außer bei Brand und Pest. Nach dem Konzil entwickelte sich die Tendenz, diese strikten Vorschriften auch auf Frauengemeinschaften auszudehnen, die nicht zu den beschaulichen Orden zählten. Diese Tendenz ließ sich allerdings nur in Südeuropa durchsetzen. „Die Klausur kommt nicht über die Alpen“, meinte ein Kardinal dazu.

Viele Frauengemeinschaften nördlich der Alpen, die in der Krankenpflege oder Mädchenerziehung tätig sein wollten, begnügten sich daher mit dem Status einer frommen Vereinigung unter der Aufsicht des Ortsbischofs. Dazu bedurfte es nicht der päpstlichen Approbation. Andere, wie zum Beispiel die Ursulinen, unterwarfen sich der Klausur und unterrichteten die Mädchen in unmittelbar an den Klausurbereich angebauten Schulräumen.