Saint-Omer: 1606–1616

Saint-Omer: 1606–1616 

Mary Ward ging nach Saint-Omer, damals Belgien und Zufluchtsort vieler englischer Katholiken. Auf Rat eines englischen Jesuiten schloss sie sich den Klarissen an, die sie als Laienschwester aufnahmen. Das bedeutete unterwegs zu sein und den Lebensunterhalt für die Schwestern zu erbetteln, statt Leben in der Klausur, Schweigen und Gebet. Nach einem Dreivierteljahr entschloss sie sich auf Rat des Visitators, das Kloster zu verlassen und ein eigenes Klarissenkloster für Engländerinnen zu gründen. Sie lebte eine Weile das Leben, das sie sich erträumt hatte, erkannte dann aber, dass Gott etwas anderes von ihr wollte.

Im Herbst 1609 ging sie für einige Zeit nach England und arbeitete dort für die verfolgten Katholiken, hielt Religionsunterricht für Erwachsene, vermittelte Priester, besuchte Gefangene. Einige Frauen aus ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis schlossen sich ihr an. Da sie nicht lange in England bleiben konnten, begannen sie im Januar 1610 in Saint-Omer in Gemeinschaft zu leben und einige junge Engländerinnen zu erziehen, die bei ihnen wohnten. Die Gemeinschaft, die noch keinen Namen hatte, nannte man die „Englischen Fräulein“.

Im Herbst 1611 wurde Mary Ward im Gebet klar, dass sie die Lebensweise des Jesuitenordens wählen sollte. Mit dieser Lebensform konnten die Aufgaben verbunden werden, die ihr vor Augen standen: Erziehung der Mädchen und Seelsorgehilfe in England.

Dem zuständigen Bischof legte Mary einen ersten Plan für ihren Orden vor. Eine verbesserte Version wurde 1615 nach Rom geschickt. Die zuständige Konzilskongregation antwortete dem Bischof, das Unternehmen sei zu loben, er solle es weiter unter seinen Schutz nehmen und begleiten. Über die rechtliche Bestätigung könne später verhandelt werden.

Frauen sind schwach; sie können Gott nicht erkennen; sie sind nicht in der Lage, sich für das Heil der Nächsten einzusetzen; wenn sie doch etwas derartiges beginnen, so erlahmt der erste Eifer rasch – das waren die gängigen Urteile des 17. Jahrhunderts.

Dazu Mary Ward: „Bis jetzt wurde uns von Männern gesagt, wir müssten glauben. Es ist wahr, wir müssen es. Aber lasst uns klug sein und wissen, was wir zu glauben haben und was nicht, und uns nicht glauben machen, dass wir nichts tun können. – Das innere Feuer hat seinen Ort nicht in den Gefühlen, sondern in der Entschiedenheit, das Gute zu tun. Diese können Frauen ebenso gut haben wie Männer. Es gibt keinen solchen Unterschied zwischen Männern und Frauen, dass Frauen nicht Großes vollbringen könnten, wie wir am Beispiel vieler heiliger Frauen gesehen haben, die große Dinge getan haben. Und ich hoffe zu Gott, es möge zu sehen sein, dass Frauen in der kommenden Zeit viel tun werden.“